Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

133. Die Erzählung vom Feuer (Ghatasana-Jataka)

„Wo Friede herrschte“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Mönch. Dieser Mönch hatte nämlich vom Meister einen Betrachtungsstoff erhalten, war nach dem Grenzlande gezogen und verbrachte dort bei einem Dörfchen in einer Waldwohnung die Regenzeit. Als er aber noch im ersten Monate einmal Almosen sammelte, brannte seine Laubhütte ab. Betrübt darüber, dass er keine Wohnung mehr besaß, teilte er es den ihm aufwartenden Leuten mit. Diese sagten: „Gut, Herr, wir werden sogleich eine Laubhütte errichten;“ mit diesen und ähnlichen Worten aber ließen sie drei Monate verstreichen. Da jener nun keine Wohnung als Zuflucht hatte, vermochte er nicht, zum Erfassen des Betrachtungsstoffes zu gelangen. Ohne auch nur einen Schimmer davon zu haben, kehrte er nach Ablauf der Regenzeit nach dem Jetavana zurück.

Hier begrüßte er den Meister und setzte sich neben ihn. Der Meister begann mit ihm ein liebenswürdiges Gespräch und fragte: „Hast du mit deinem Betrachtungsstoff Erfolg gehabt, o Mönch?“ Dieser erzählte seinen Erfolg und seinen Misserfolg von Anfang an. Darauf sprach der Meister: „Schon in früherer Zeit erkannten sogar Tiere, was ihr Nutzen und ihr Schaden sei. Nachdem sie zur Zeit, da es vorteilhaft für sie war, an einem Orte geweilt hatten, verließen sie, als dies unvorteilhaft für sie wurde, ihren Wohnort und begaben sich anderswohin. Warum hast du nicht erkannt, was dein Vorteil und dein Nachteil war?“ Und darauf erzählte er, von jenem gebeten, folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva im Vogelgeschlechte seine Wiedergeburt. Als er zur Vernunft gekommen, gelangte er zu Ansehen und wurde der König der Vögel. In einer Waldgegend am Ufer eines Sees nahm er mit seiner Umgebung Wohnung in einem großen Baume mit weit ausgebreiteten Ästen und einer Menge von Blättern.

Viele Vögel nun, die auf den Zweigen dieses Baumes wohnten, welche er über das Wasser ausstreckte, ließen ihre Exkremente in das Wasser fallen. In diesem See aber wohnte der Schlangenkönig Canda; dieser dachte bei sich: „Diese Vögel lassen in diesen See, in meine Wohnstätte, ihre Exkremente fallen. Wie, wenn ich jetzt aus dem Wasser Feuer emporschlagen ließe, damit den Baum verbrennen und dieselben von hier vertreiben würde?“ — Zur Nachtzeit, als alle Vögel sich versammelt und auf den Zweigen des Baumes zum Schlaf niedergelassen hatten, erhitzte er zornigen Herzens zuerst das Wasser, als wäre es in einem Ofen; zum zweiten ließ er Rauch aufsteigen und zum dritten eine Flamme emporschlagen so groß wie der Stamm einer Fächerpalme.

Als der Bodhisattva aus dem Wasser die Flamme emporsteigen sah, rief er: „He, ihr Vögel, wenn etwas vom Feuer erfasst wird, so löscht man es mit Wasser; jetzt aber brennt das Wasser selbst. Wir können hier nicht bleiben; wir wollen anderswohin gehen!“ Und er sprach folgende Strophe:

§1. „Wo Friede herrschte, da ist jetzt ein Feind erstanden;

in Wassers Mitten fängt ein Feuer an zu brennen.

Wir dürfen nicht mehr bleiben auf dem Baum am Wasser.

Fliegt fort; was heut noch Zuflucht war, bringt uns Gefahr.“

Nach diesen Worten flog der Bodhisattva mit den Vögeln, die seinem Worte gehorchten, auf und begab sich anderswohin. Die Vögel aber, die dem Worte des Bodhisattva nicht folgten, sondern dort blieben, kamen ums Leben.

 

§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beendigt und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten (Am Ende der Verkündigung von den Wahrheiten aber gelangte jener Mönch zur Heiligkeit): „Damals waren die Vögel, die den Worten des Bodhisattva folgten, die Buddhaschar, der Vogelkönig aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Feuer


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