Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

162. Die Erzählung von der Vertrautheit (Santhava-Jataka)

„Nichts gibt es Schlimmeres als die Vertrautheit“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf das Feueropfer [1].

§D. Die Begebenheit gleicht der oben im Nanguttha-Jataka [2] erzählten. —

Als die Mönche sahen, wie jene ihre Feueropfer darbrachten, fragten sie den Erhabenen: „Herr, die Jatilas [3] üben mannigfache falsche Askese; entsteht daraus eine Förderung?“ Der Meister erwiderte: „Hierin, ihr Mönche, liegt keine Förderung. Auch schon in der Vorzeit brachten Weise lange Feueropfer dar in der Meinung, aus dem Feueropfer entstehe für sie ein Vorteil. Als sie aber den Nachteil bei diesem Tun merkten, löschten sie das Feuer mit Wasser, schlugen es mit Zweigen u. dgl. aus, dann drehten sie sich um und schauten es nicht mehr an.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einer Brahmanenfamilie seine Wiedergeburt. Seine Eltern hoben das Feuer seiner Geburt [4] auf und sagten zu ihm, als er sechzehn Jahre alt war: „Lieber, willst du das Geburtsfeuer nehmen und im Walde das Feuer besorgen oder willst du die drei Veden erlernen, deine Familie erhalten und im Hause wohnen?“ Er erwiderte: „Nach dem Wohnen im Hause verlangt mich nicht; ich will im Walde das Feuer besorgen und ein Bewohner der Brahma-Welt werden.“ Und er nahm das Geburtsfeuer, verabschiedete sich von seinen Eltern und zog in den Wald. Hier erbaute er sich eine Laubhütte und hütete dort das Feuer.

Eines Tages war er zu einer Einladung gegangen und hatte Reisbrei mit zerlassener Butter erhalten. Da dachte er: „Diesen Reisbrei will ich dem großen Brahma opfern“; und er nahm den Reisbrei, fachte das Feuer an und warf mit den Worten: „Den Agni, den Erhabenen, lasse ich jetzt mit zerlassener Butter gemischten Reisbrei trinken“, den Reisbrei in das Feuer. Sobald aber der sehr fette Reisbrei in  das Feuer geworfen war, wurde von den hochaufschlagenden Flammen des Feuers seine Laubhütte eingeäschert. Von Furcht ergriffen lief der Brahmane davon. Dann sagte er draußen stehend: „Mit bösen Leuten soll man keine Vertrautheit pflegen; jetzt ist mir durch dies Feuer meine mit vieler Mühe erbaute Laubhütte eingeäschert worden.“ Und darauf sprach er folgende erste Strophe:

§1. „Nichts gibt es Schlimmeres als die Vertrautheit,

wenn mit dem Bösen man Vertrautheit hat.

Als ich mit Brei und Butter es bedachte,

verbrannt' es mein mit Müh gebautes Häuschen.“

Nach diesen Worten dachte er: „Ich brauche dich verräterischen Freund nicht mehr“; und er löschte das Feuer mit Wasser und schlug es mit Zweigen u. dgl. aus. — Als er darauf nach dem Himalaya zog, sah er eine schwarze Gazelle, die einem Löwen, einem Tiger und einem Panter das Gesicht leckte. Da dachte er bei sich: „Es gibt nichts Besseres als die Vertrautheit mit Guten“, und sprach folgende zweite Strophe:

§2. „Nichts gibt es Besseres als die Vertrautheit,

wenn mit den Guten man Vertrautheit hat.

Dem Löwen wie dem Tiger und dem Panter

die Schwarze leckt des Antlitz mit Vertrauen.“

Nach diesen Worten zog der Bodhisattva in das Himalaya-Gebirge und betätigte dort die Weltflucht der Weisen. Nachdem er die Erkenntnisse und die Vollendungen erreicht, gelangte er am Ende seines Lebens in die Brahma-Welt.

 

§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beendigt hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Zu der Zeit war ich der Asket.“

Ende der Erzählung von der Vertrautheit


[1] D. h. das Opfer zur Verehrung des Feuergottes Agni, das in der Unterhaltung eines Feuers bestand.

[2] Dies ist das 144. Jataka.

[3] Die Asketen dieses Namens waren es vor allem, die Agni verehrten. Vgl. „Leben des Buddha“, S. 103 ff.

[4] D. h. von dem Feuer, das zur Zeit seiner Geburt brannte, hoben sie einen Brand auf.


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