Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

219. Die Erzählung von dem Tadel (Garahita-Jataka)

„Mein ist das Gold, mein das Vermögen“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen infolge seiner Nichtbefriedigung unzufriedenen Mönch. Dieser hatte nämlich nicht einen einzigen Stützpunkt gewonnen; als er aber beständig so unbefriedigt war, brachte man ihn vor den Meister. Er wurde vom Meister gefragt: „Ist es wahr, dass du unzufrieden bist?“, und antwortete: „Es ist wahr.“ Auf die weitere Frage: „Warum?“, erwiderte er: „Wegen der Gewalt der Befleckung.“ Darauf sprach der Meister zu ihm: „Diese Befleckung, Mönch, wurde auch früher schon sogar von Tieren getadelt. Du, der du in dieser Lehre Mönch geworden bist, bist infolge der Macht der selbst von Tieren getadelten Befleckung unzufrieden.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, wurde der Bodhisattva im Himalaya-Gebirge als ein Affe wiedergeboren. Ihn fing ein Waldarbeiter, der ihn dem Könige brachte. Während er nun lange im Hause des Königs verweilte, war er voll Tugend und erkannte immer besser, was in der Menschenwelt geschehe. Befriedigt über seine Bravheit ließ der König den Waldarbeiter rufen und gab ihm den Auftrag, den Affen wieder dort loszulassen, wo er ihn gefangen. Dieser tat so.

Als die Schar der Affen die Wiederkehr des Bodhisattva erfuhr, versammelten sie sich auf einem großen Steine; sie begannen eine liebevolle Unterhaltung mit ihm und fragten: „Freund, wo bist du während dieser ganzen Zeit gewesen?“ Jener antwortete: „Zu Benares im Palaste des Königs.“ „Wie bist du aber jetzt frei geworden?“ „Der König, der mich zu seinem Spaßaffen gemacht hatte, war über meine Bravheit befriedigt und ließ mich deshalb los.“

Darauf sprachen zu ihm die Affen: „Ihr wisst, was in der Menschenwelt vorgeht. Erzählt es uns gleich; wir möchten es hören.“ Der Bodhisattva erwiderte: „Fraget mich nicht nach dem Tun der Menschen!“ „Erzählet; wir möchten es hören.“ Hierauf sprach der Bodhisattva: „Die Menschen, die Edlen sowohl wie die Brahmanen, sagen: ‘Mein, mein.’ Sie kennen nicht die Unbeständigkeit infolge des Aufhörens der Existenz. Höret jetzt, was diese blinden Toren tun.“ Und nach diesen Worten sprach er folgende Strophen:

§1. „‘Mein ist das Gold, mein das Vermögen’,

so sagen sie bei Tag und Nacht.

Bei diesen Unverständ'gen Leuten

ist edle Wahrheit unbekannt.

 

§2. In jedem Hause sind zwei Herren;

der eine hat zwar keinen Bart,

doch Hängebrüste, lange Flechten

und große Ringe in den Ohren.

Er ist gekauft um vieles Geld

und dennoch plagt er jedermann.“

Als dies die Affen hörten, riefen sie: „Erzählt nicht weiter, erzählt nicht weiter! Wir haben etwas gehört, was nicht gehört werden sollte.“ Und sie hielten sich mit beiden Händen die Ohren fest zu. Sie tadelten sogar diesen Ort, indem sie sagten: „An diesem Orte haben wir etwas Unpassendes gehört“, und gingen deshalb anderswohin. Diese Steinfläche aber wurde davon die Tadelsteinfläche benannt.

 

§C. Nachdem der Meister diese Lehrunterweisung beschlossen und die Wahrheiten verkündigt hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten (am Ende der Verkündigung der Wahrheiten aber gelangte jener Mönch zur Frucht der Bekehrung): „Damals war die Affenschar die Buddhagemeinde, der Affenfürst aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Tadel


  Oben zeilen.gif (1054 bytes)