Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

280. Die Erzählung von dem Büschelzerstörer (Putadusaka-Jataka)

„Gewiss ist jetzt der Tiere König“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf einen Büschelzerstörer. — Zu Savatthi nämlich hatte ein Minister die Mönchsgemeinde mit Buddha, ihrem Haupte, eingeladen. In seinem Parke ließ er sie Platz nehmen und sagte, indem er sein Almosen spendete, während der Mahlzeit: „Wer im Parke umhergehen will, soll darin herumwandeln.“ Darauf begannen die Mönche, im Parke umherzuwandeln. — Zu der Zeit bestieg ein Parkwächter einen mit Blättern bedeckten Baum; und indem er lauter große Blätter fasste, dachte er: „Dies wird Blumen geben und dieses Früchte“, machte Büschel und warf sie herunter. Sein kleiner Sohn aber brachte alle Büschel, die herab fielen, durcheinander.

Die Mönche berichteten dies dem Meister. Der Meister erwiderte: „Nicht nur jetzt sondern auch früher schon war dieser ein Büschelzerstörer.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einer Familie zu Benares seine Wiedergeburt. Als er herangewachsen war und ein häusliches Leben führte [1], ging er eines Tages aus irgendeinem Anlasse in den Park. — Dort wohnten viele Affen. Nun warf gerade der Parkwächter auf dieselbe Art Büschel herab; der Älteste der Affen aber brachte sie alle, wie sie herab geworfen wurden, in Verwirrung.

Darauf redete ihn der Bodhisattva folgendermaßen an: „Er bringt alle die Büschel, die der Parkwächter herab wirft, in Unordnung und scheint schönere machen zu wollen.“ Und er sprach folgende erste Strophe:

§1. „Gewiss ist jetzt der Tiere König

im Büschel Machen wohl erfahren.

Deshalb zerstört er alle Büschel

und möchte andre daraus machen.“

Als dies der Affe hörte, sprach er folgende zweite Strophe:

§2. „Nicht ist mein Vater, noch die Mutter

im Büschel Machen wohl erfahren.

Was nur gemacht wird, wir zerstören;

von solcher Art ist mein Geschlecht [2].“

Da dies der Bodhisattva hörte, sprach er folgende dritte Strophe:

§3. „Wer dieses seine Art benennt,

bei dem ist 's eine Unart nur.

Doch mag es Art, mag 's Unart sein,

wir wollen es nie wieder sehen.“

Nachdem er mit diesen Worten den Affen getadelt, ging er weg.

 

§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der Affe der Knabe, der die Büschel zerstörte, der weise Mann aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Büschelzerstörer


[1] Im Gegensatz zu dem Leben als Asket.

[2] Vgl. dazu die ähnlich lautende zweite Strophe im 271. Jataka. Die dritte Strophe stimmt in beiden Jatakas wörtlich überein.


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