Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

281. Die Erzählung von dem Mittleren (Abbhantara-Jataka) [0a]

„In Gartens Mitte ist ein Baum“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Schenkung von Mangosaft an die ehrwürdige Bimbadevi [1]. Als nämlich der völlig Erleuchtete das Rad der Lehre in Bewegung gesetzt hatte und zu Vesali in der Pagodenhalle verweilte, war Mahapajapati aus dem Gotama-Geschlechte [2] mit fünfhundert Gefährtinnen gekommen, hatte um Aufnahme in den Orden gebeten und auch wirklich die Aufnahme in den Orden und die Weihe erhalten. In der Folgezeit gelangten diese fünfhundert Nonnen, als sie die Nandaka-Ermahnung [3] hörten, zur Heiligkeit.

Während aber der Meister bei Savatthi verweilte, dachte die Fürstin, die Mutter des Rahula [4]: „Mein Gatte hat die Welt verlassen und hat die Allwissenheit erlangt; auch mein Sohn hat die Welt verlassen und weilt bei ihm. Was soll ich noch im Hause bleiben? Auch ich will die Welt verlassen, nach Savatthi gehen und dort bleiben, damit ich beständig dort den völlig Erleuchteten und meinen Sohn sehen kann.“ Daher ging sie in das Nonnenkloster und trat in den Orden ein. Dann begab sie sich mit ihren Unterweisern und Lehrern nach Savatthi, suchte den Meister und ihren lieben Sohn auf und nahm in einer Nonnenzelle ihren Aufenthalt. Der Novize Rahula besuchte dort seine Mutter.

Eines Tages bekam die Ehrwürdige heftige Blähungen. Als ihr Sohn kam, um sie zu besuchen, war sie nicht im Stande, hinauszugehen, um ihn zu sehen. Es kamen aber andere heraus und erzählten ihm, dass seine Mutter krank sei. Darauf ging er zu seiner Mutter hinein und fragte: „Was möchtet Ihr haben?“ Sie antwortete: „Mein Sohn, wenn ich während meines häuslichen Lebens Mangosaft mit Zucker versüßt trank, hörten die Blähungen auf. Jetzt aber leben wir von Almosen; woher könnten wir dies erhalten?“ Der Novize versetzte: „Ich werde welchen holen und herbeibringen.“ Damit ging er fort.

Dieser Ehrwürdige aber hatte zum Unterweiser den Heerführer der Lehre, zum Lehrer den großen Mogallana, zum Onkel den Thera Ananda und den völlig Erleuchteten zum Vater: eine große Glücksfülle. Trotzdem aber ging er zu keinem andern hin als nur zu seinem Unterweiser. Er begrüßte ihn und blieb mit traurigem Gesichte stehen. Der Thera fragte ihn: „Warum gehst du so traurig umher?“ Rahula antwortete: „Herr, meine Mutter hat starke Blähungen.“ „Was möchte sie dafür erhalten?“ „Durch Mangosaft, der mit Zucker versüßt ist, wird sie gesund.“ „Gut, ich werde welchen erhalten; bekümmere dich nicht“, versetzte Sāriputta.

Am folgenden Tage ging er mit Rahula nach Savatthi hinein, ließ den Novizen unterdessen in der Wartehalle bleiben und begab sich nach dem Tore des königlichen Palastes. Der König von Kosala bot dem Thera einen Sitz an. In diesem Augenblicke brachte der Parkwächter ein Büschel süßer Mangofrüchte herein, die zum Essen reif waren. Der König entfernte von den Früchten die Schale, streute Zucker darauf und drückte selbst den Saft aus. Mit diesem füllte er die Almosenschale des Thera und gab sie ihm dann zurück. Darauf begab sich der Thera aus dem königlichen Palaste nach der Wartehalle und gab seine Schale dem Novizen mit den Worten: „Nimm sie und bringe sie deiner Mutter.“ Der Novize brachte sie seiner Mutter und gab ihr den Saft. Sobald aber die Ehrwürdige davon genossen, hörten die Blähungen in ihrem Leibe auf.

Der König aber hatte Leute ausgeschickt und ihnen gesagt: „Der Thera hat, während er hier saß, den Mangosaft nicht genossen; geht und seht, ob er ihn jemand geschenkt hat.“ Der Mann ging mit dem Thera; als er die Begebenheit wahrgenommen, kehrte er zurück und erzählte es dem Könige. Nun bedachte der König: „Wenn der Meister das häusliche Leben beibehalten hätte, wäre er ein weltbeherrschender König geworden. Der Novize Rahula wäre Kronprinz, die Ehrwürdige wäre seine erste Gemahlin; kurz, die ganze Weltherrschaft würde ihnen gehören. Wir müssten unser Leben in ihrem Dienste verbringen; jetzt, da sie die Welt verlassen haben und bei uns wohnen, dürfen wir nicht nachlässig gegen sie sein.“ Und von da an ließ er der Ehrwürdigen beständig Mangosaft bringen.

Es wurde aber unter der Mönchsgemeinde bekannt, dass der Thera der ehrwürdigen Bimbadevi Mangosaft verschafft hatte. Eines Tages begann man in der Lehrhalle folgendes Gespräch: „Freund, der Thera Sāriputta hat die ehrwürdige Fürstin Bimba mit Mangosaft erfreut.“ Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Unterhaltung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, sprach er: „Nicht nur jetzt wurde die Mutter Rahulas durch Sāriputta mit Mangosaft erfreut, sondern auch früher schon erfreute er sie damit.“ Und nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einem Dorfe des Landes Kasi in einer Brahmanenfamilie seine Wiedergeburt. Nachdem er herangewachsen war und zu Takkasila die Künste erlernt hatte, führte er eine Zeitlang das Leben im Hause. Nach dem Tode seiner Eltern aber betätigte er die Weltflucht der Weisen, erlangte die Erkenntnisse und die Vollkommenheiten und wurde im Himalaya-Gebirge ein von einer großen Asketenschar umgebener Asketenlehrer. Nach langer Zeit stieg er einmal, um sich mit Salz und Saurem zu versehen, vom Gebirge herab und gelangte auf seinem Almosengange nach Benares, wo er in einem Parke Aufenthalt nahm.

Durch den Tugendglanz dieser Asketenschar aber begann der Thron Sakkas zu zittern. Sakka dachte über den Grund hiervon nach; da merkte er: „Ich werde mich bestreben müssen, ihren Aufenthaltsort zu zerstören. Wenn ihre Wohnung zugrunde gerichtet ist, werden sie verwirrt umherwandeln und nicht die zum Denken notwendige Ruhe erhalten. Auf diese Weise wird es mir leicht werden.“ Als er überlegte, was für ein Mittel er dafür anwenden müsse, kam ihm folgende List in den Sinn: „Zur Zeit der mittleren Nachtwache werde ich in das Schlafgemach der ersten Gemahlin des Königs eindringen und in der Luft stehend folgendermaßen zu ihr sprechen: ‘Liebe, wenn du das Innere [5] einer Mangofrucht verzehren wirst, wirst du einen Sohn bekommen, der ein weltbeherrschender König wird.’ Wenn der König die Worte seiner Gemahlin hört, wird er nach Mangofrüchten in den Park schicken; ich aber werde die Mangofrüchte verschwinden lassen. Dann wird man dem Könige melden, dass keine Mangofrüchte vorhanden sind, und wenn er fragte, wer sie verzehrt habe, werden sie sagen, dass sie die Asketen gegessen haben. Wenn dies aber der König hört, wird er die Asketen schlagen und hinauswerfen; auf diese Weise werden sie gequält werden.“

Daher drang er in der mittleren Nachtwache in das Schlafgemach ein, ließ in der Luft stehend erkennen, dass er der Götterkönig sei, und sprach, mit der Königin redend, die folgenden beiden ersten Strophen:

§1. „In Gartens Mitte ist ein Baum;

wenn eine Frau, die schwanger ist,

die Himmelsfrucht von ihm verzehrt,

gebärt sie einen Weltbeherrscher.

 

§2. Du Liebe, bist die erste Gattin

und deinem Gatten bist du teuer;

der König wird dir holen lassen

die Frucht aus seines Gartens Mitte.“

Nachdem Sakka so diese beiden Strophen gesprochen, fügte er noch hinzu: „Sei nicht nachlässig; schiebe es nicht auf, sondern teile dies morgen schon dem Könige mit.“ Nach dieser Ermahnung kehrte er an seinen Aufenthaltsort zurück.

Am nächsten Tage stellte sich die Königin krank und legte sich nieder, nachdem sie ihren Dienerinnen einen Wink gegeben. Als nun der König auf seinem von dem weißen Sonnenschirme überschatteten Löwensitze saß und den Tänzen zuschaute, sah er die Königin nicht und fragte eine Dienerin: „Wo ist die Fürstin?“

„Sie ist krank, Herr“, war die Antwort. Darauf ging er zu ihr hin, setzte sich auf die Seite ihres Lagers und fragte sie, indem er ihren Rücken rieb: „Was fehlt dir, Liebe?“ Sie erwiderte: „O Großkönig, eine andere Krankheit habe ich nicht; ich habe nur ein Gelüste bekommen.“ „Was wünschst du, Liebe?“ „Die Mangofrucht von der Mitte, o Fürst.“ „Wo ist denn der Mangobaum von der Mitte?“ „Ich kenne den Mangobaum von der Mitte nicht. Wenn ich eine Frucht von ihm erhalte, so werde ich leben; wenn nicht, so werde ich sterben.“ „Wir wollen sie also holen lassen; bekümmere dich nicht.“

Nachdem der König so seine Gemahlin getröstet, stand er auf, ging fort, setzte sich auf seinen königlichen Thron, ließ seine Minister rufen und fragte: „Die Königin hat ein Gelüste bekommen nach dem Mangobaum von der Mitte, was ist da zu tun?“ Er erhielt zur Antwort: „O Fürst, ein Mangobaum, der zwischen zwei anderen Mangobäumen steht, ist der mittlere Mangobaum. Wir wollen nach dem Parke schicken, von einem in der Mitte stehenden Mangobaum die Früchte holen lassen und sie der Königin geben.“ Der König erwiderte: „Gut“, und schickte zum Parke mit dem Auftrag, eine derartige Mango zu holen.

Sakka aber hatte durch seine übernatürliche Kraft den Mangofrüchten das Aussehen gegeben, als ob sie schon verzehrt seien, und sie verschwinden lassen. Daher fanden die Leute, die, um Mangofrüchte zu holen, gekommen waren, während sie im ganzen Parke umherwanderten, keine einzige Mangofrucht; sie kehrten um und meldeten dem Könige, es seien keine Mangofrüchte im Parke. Der König fragte: „Wer hat die Früchte verzehrt?“ „Die Asketen, o König“, war die Antwort. Darauf befahl der König: „Treibt die Asketen unter Schlägen aus dem Parke!“ Die Leute sagten: „Gut“, und trieben sie hinaus. So ging der Wunsch des Sakka in Erfüllung. Die Königin aber lag noch immer da und verlangte nach der Mango.

Da der König nicht wusste, was er tun solle, ließ er seine Minister und die Brahmanen sich versammeln und fragte: „Wisst ihr, ob es einen Mangobaum in der Mitte gibt?“ Die Brahmanen antworteten: „O Fürst, ein Mitte-Mangobaum ist Eigentum der Götter. Er befindet sich im Himalaya in der Goldhöhle, so lautet eine von Mund zu Mund fortgepflanzte Überlieferung.“ „Wer wird aber diese Mangofrucht holen können?“ „Ein menschliches Wesen kann nicht dorthin kommen; man muss einen jungen Papageien dorthin schicken.“

Zu der Zeit war am Hofe des Königs ein junger Papagei. Er war groß von Körper, so wie die Nabe am Rade eines Wagens von Prinzen, mit Starke ausgerüstet, verständig und der Listen kundig. Diesen ließ der König holen und sprach zu ihm: „Mein lieber junger Papagei! Ich habe dir viele Wohltaten erwiesen. Du wohnst in einem goldenen Käfig, du nährst dich von süßem, jungem Korn, das dir auf goldener Schüssel vorgesetzt wird, du trinkst Zuckerwasser. Auch du musst für uns etwas tun.“ „Sprich, o Fürst“, antwortete der Papagei. Darauf sagte der König: „Mein Lieber, die Königin hat Gelüste bekommen nach der Frucht eines mittleren Mango. Ein solcher Mangobaum befindet sich im Himalaya-Gebirge im Innern des Goldbergs. Er ist Eigentum der Gottheiten; ein als Mensch Geborener kann nicht dorthin gelangen. Du musst von dort eine Frucht holen.“ „Gut, o Fürst“, versetzte der Papagei, „ich werde sie holen.“

Darauf ließ ihm der König auf goldener Schüssel süßes, junges Korn vorsetzen, ließ ihm Zuckerwasser geben und bestrich ihm die Flügel mit hundertmal gepresstem Sesamöl. Dann fasste er ihn mit beiden Händen, trat an das Fenster und ließ ihn in die Luft fliegen. Der Papagei flog vor den Augen des Königs in die Höhe und flog durch die Luft, bis er über das Bereich der Menschen hinaus war. Er begab sich im Himalaya an der ersten Berghöhle zu den dort wohnenden Papageien und fragte: „Wo ist der Mitte-Mangobaum? Sagt mir diesen Ort!“ Aber sie erwiderten: „Wir wissen es nicht; die Papageien in der zweiten Berghöhle werden es wissen.“

Als er sie hörte, flog er von hier weg und begab sich nach der zweiten Berghöhle. Dann flog er nach der dritten, vierten, fünften und sechsten Berghöhle. Auch hier sagten die Papageien: „Wir wissen es nicht; die Papageien in der siebenten Berghöhle werden es wissen.“ Auch dorthin begab er sich und fragte: „Wo befindet sich denn der Mitte-Mango?“ Sie antworteten: „An dem und dem Orte in der Goldhöhle.“ Der Papagei fuhr fort: „Ich bin wegen dieser Frucht hierher gekommen; führet mich dorthin und lasst mich von dort die Frucht holen.“ Doch die anderen erwiderten: „Der Baum ist Eigentum des Großkönigs Vessavana [6]; man kann nicht dorthin gelangen. Der ganze Baum ist von der Wurzel an mit sieben kupfernen Netzen umgeben; eine unzählige Menge [7] von Wasserholer-Dämonen [8] bewacht ihn. Wen sie sehen, um dessen Leben ist es geschehen. Der Ort gleicht der großen Avici-Höhle, in der ein ganzes Weltalter hindurch Feuer brennt. Strebe nicht, dorthin zu kommen!“ Doch der Papagei versetzte: „Wenn ihr nicht mitgehen wollt, so beschreibt mir wenigstens den Ort.“ „Gehe also an die und die Stelle!“

Jener suchte den Weg genau nach ihrer Beschreibung und kam an diese Stelle. Nachdem er sich bei Tage nicht hatte sehen lassen, begab er sich zur Zeit der mittleren Nachtwache zu dem Mitte-Mangobaum und begann rasch an einer Wurzel hinaufzusteigen. Da klirrte das kupferne Netz; die Dämonen erwachten. Als sie den jungen Papagei sahen, riefen sie: „Ein Mangodieb!“ Sie packten ihn und verteilten unter sich die Arbeit, ihn zu bestrafen. Der eine sagte: „Ich will ihm ins Gesicht schlagen, dass es anschwillt“; ein zweiter meinte: „Ich will ihn mit den Händen zerdrücken, zermalmen und seine Überreste zerstreuen“; ein dritter sprach: „Ich will ihn in zwei Teile spalten, auf Kohlen rösten und auffressen.“

Aber obwohl er hörte, wie sie über die Art, ihn zu töten, nachdachten, bekam er keine Furcht, sondern er sprach zu den Dämonen: „Holla, ihr Dämonen, wessen Diener seid ihr?“ „Wir sind die Diener des Großkönigs Vessavana“, war die Antwort. „Holla“, versetzte der Papagei, „ihr seid Diener eines Königs und ich bin auch der Diener eines Königs. Der König von Benares hat mich fortgeschickt, um eine Frucht des Mitte-Mangobaumes zu holen. Ich bin gekommen, um für meinen König mein Leben aufs Spiel zu setzen. Wer nämlich um seiner Eltern oder seines Herrn willen sein Leben opfert, der wird immer in einer Götterwelt wiedergeboren; darum werde auch ich, wenn ich von diesem Tierleibe befreit bin, meine Wiedergeburt in einer Götterwelt finden.“ Und nach diesen Worten sprach er folgende dritte Strophe:

§3. „An welchen Ort ein Held gelangt,

der um des Gatten [9] willen stirbt,

dorthin auch werde ich gelangen,

da ich mein eignes Ich geopfert.“

So sagte er jenen mit dieser Strophe die Wahrheit.

Als sie von ihm die Wahrheit vernommen, sagten sie befriedigten Herzens: „Dieser ist tugendhaft; man darf ihn nicht töten. Lasst ihn los.“ Und sie ließen den jungen Papagei los und sagten zu ihm: „He, du junger Papagei, du bist frei. Gehe aus unserer Hand gesund von dannen!“ Jener erwiderte: „Lasst mein Kommen nicht ergebnislos bleiben; gebt mir eine einzige Mangofrucht!“ Doch die Dämonen versetzten: „Du junger Papagei, dir eine Frucht zu geben, würde uns nicht schwer fallen. Die Früchte an diesem Baume aber sind bezeichnet. Wenn eine Frucht nicht stimmt, ist es um unser Leben geschehen. Wenn nämlich Vessavana uns nur zornig anschaut, so zerbersten tausend Kumbhandas [10] wie Sesamkörner, die auf eine heiße Platte geworfen werden, und werden in alle Winde zerstreut. Darum können wir dir keine geben; wir wollen dir aber mitteilen, wo du sie erhalten kannst.“

Darauf sprach der junge Papagei: „Gebe es mir, wer immer will. Ich brauche die Frucht; teilt mir mit, wo ich sie erhalten kann.“ Die Dämonen erwiderten: „In einer der Windungen des Goldbergs wohnt ein Asket, Jotirasa mit Namen, der das heilige Feuer unterhält, in einer Laubhütte, der sogenannten Goldblatthütte; er ist ein Vertrauter des Vessavana. Vessavana schickt ihm beständig vier Früchte; gehe zu diesem Asketen hin!“

Der junge Papagei stimmte zu mit dem Worte: „Gut“; er begab sich zu dem Asketen hin, begrüßte ihn und setzte sich ihm zur Seite. Darauf fragte ihn der Asket: „Woher kommst du?“ Er antwortete: „Vom König von Benares.“ „Warum bist du gekommen?“ Der Papagei erwiderte: „O Herr, die Gemahlin unseres Königs hat ein Gelüste nach der Frucht eines Mitte-Mango bekommen. Zu diesem Zwecke bin ich gekommen. Die Dämonen aber gaben mir nicht selbst die Mangofrucht, sondern sie schickten mich zu Euch hin.“ „Setze dich also hin“, versetzte der Asket, „du wirst eine erhalten.“

Es schickte ihm aber Vessavana vier Früchte. Der Asket verzehrte darauf zwei von ihnen, die dritte gab er dem jungen Papagei zu verzehren. Als dieser sie verzehrt hatte, band der Asket die vierte Frucht an eine Schnur, befestigte diese am Halse des jungen Papageien und schickte diesen dann fort mit den Worten: „Gehe jetzt!“ Jener brachte die Frucht nach Benares und gab sie der Königin. Diese verzehrte sie und stillte damit ihr Gelüste; trotzdem aber erhielt sie dadurch keinen Sohn.

 

§C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beendigt hatte, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war die Königin die Mutter Rahulas, der Papagei war Rahula; der Asket, der die Mangofrucht schenkte, war Sāriputta, der in dem Parke wohnende Asket aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Mittleren [0a]


[0a] Bei Dutoit heißt das Jataka „Die Erzählung von dem mittleren Mango“. Bei Dutoit kann „der Mango“ sowohl „der Mangobaum“, als auch „die Mango(frucht)“ bedeuten. Die ersten Worte der ersten Strophe weisen auf den Baum hin. Allerdings bedeutet „abbhantaram“ schlicht „das Mittlere“, siehe unten Anm. 5. Daher bevorzuge ich den kurzen Titel „Die Erzählung von dem Mittleren“.

[1] Damit ist hier die frühere Gattin Buddhas gemeint, die sonst entweder nur „Mutter des Rahula“ oder Yasodhara heißt.

[2] Dies war Buddhas Tante; vgl. „Leben des Buddha“, Seite 149 – 157.

[3] Damit ist jedenfalls ein Lehrstück gemeint, das sich an Nanda, den Bruder Buddhas, richtete.

[4] Der gewöhnliche Name der frühern Gattin Buddhas. Über Rahulas Bekehrung vgl. „Leben des Buddha“. S. 137 f.

[5] Dies ist die wörtliche Bedeutung von „abbhantaram“. Im Anfang der ersten Strophe aber scheint das Wort die Mitte zu bedeuten. Es liegt wohl ein absichtlicher Doppelsinn vor.

[6] Eine Beiname des Kubera, des Gottes des Reichtums; vgl. Jataka 6 Anm. 11.

[7] Wörtlich: „tausendmal zehn Millionen“.

[8] Die Wasserholer sind eine bestimmte Dämonenart; vgl. Jataka 31 Anm. 23. [Damit sind die sogenannten Kumbhandas gemeint, eine andere Art mythischer Wesen.]

[9] Nach dem Kommentator sind in diesem Wort die Eltern, Verwandten und Herren zusammengefasst.

[10] Dies ist das Pali-Wort für die oben als „Wasserholer“ bezeichneten Dämonen.


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