Jātakam, Wiedergeburtsgeschichten

367. Die Erzählung von dem Igel (Saliya-Jataka) [0a]

„Die schwarze Schlang', von der er sagte“

 

§A. Dies erzählte der Meister, da er im Veluvana verweilte, mit Beziehung auf die Worte: „Freund, Devadatta konnte mich nicht einmal in Angst versetzen.“

 

§B. Als ehedem zu Benares Brahmadatta regierte, nahm der Bodhisattva in einer Gutsbesitzerfamilie in einem Dorfe seine Wiedergeburt. Als er noch jung war, spielte er einmal mit den kleinen Knaben am Dorfeingang am Fuße eines Nigrodha-Baumes. Damals verließ gerade ein Arzt, dem es schlecht ging und der in dem Dorfe keine Arbeit gefunden hatte, das Dorf und kam an diese Stelle. Da sah er eine Schlange im Zweigwerk des Baumes mit herabhängendem Kopfe schlafen. Jetzt dachte er: „Ich habe im Dorfe nichts erhalten; ich werde diese Knaben täuschen und sie von der Schlange beißen lassen. Dann werde ich sie heilen und etwas dafür erhalten.“ Und er sprach zu dem Bodhisattva: „Würdest du einen jungen Igel [0a] nehmen, wenn du ihn findest?“ „Ja, ich würde ihn nehmen“, antwortete dieser. „Sieh, da liegt einer im Gezweig“, fuhr der Arzt fort.

Da nun der Bodhisattva nicht wusste, dass es eine Schlange sei, stieg er auf den Baum und fasste sie am Halse. Da merkte er, dass es eine Schlange war. Er gab ihr nicht die Möglichkeit sich umzuwenden, sondern packte sie fest und schleuderte sie rasch von sich. Bei ihrem Falle stürzte sie auf den Hals des Arztes, umschlang seinen Hals und biss hinein, dass es knirschte. Nachdem sie ihn so getötet, schlüpfte sie fort.

Die Leute standen herum. Da sprach das große Wesen, um der versammelten Menge die Wahrheiten zu verkünden, folgende Strophen:

§1. „Die schwarze Schlang', von der er sagte,
sie sei ein junger Igel [0a] nur,
von dieser wurde er gebissen
und starb, er, der so Böses riet.
 
§2. Der Mann, der jemand wünscht zu töten,
obwohl ihm dieser nicht geschadet,
der stürzet so in sein Verderben,
wie es dem Toten hier erging.
 
§3. Der Mann, der jemand wünscht zu töten,
obwohl ihn dieser nicht geschlagen,
der stürzet so in sein Verderben,
wie es hier diesem Toten ging.
 
§4. Wenn eine Hand voll Schmutz ein Mann
dem Wind entgegen hat geworfen,
so trifft ihn wieder dieser Schmutz;
so ist 's dem Toten hier ergangen.
 
§5. Wenn einer dem, der ihm nichts Böses tat,
dem Reinen, der von Sünde frei, will schaden,
so fällt zurück das Böse auf den Toren,
wie trockner Staub, gegen den Wind geworfen.“
                                                                   Dhp 125

 §C. Nachdem der Meister diese Unterweisung beschlossen, verband er das Jataka mit folgenden Worten: „Damals war der in Armut geratene Arzt Devadatta, der weise Knabe aber war ich.“

Ende der Erzählung von dem Igel [0a]


[0a] Dutoit übersetzt „saliya“ = „sallika“ = „Igel“. Nun haben Igel aber überhaupt keine Ähnlichkeit mit Schlangen und sind auch nicht auf Bäumen zu finden, so dass ich es für sehr unwahrscheinlich halte, dass der Bodhisattva die Baumschlange für einen Igel halten konnte. Besser würde m.E. eine Übersetzung „saliya“ = „salika“ = „Maynah-Vogel“ (Gracula religiosa) passen.


 

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