„Pancala mit dem ganzen Heere“ [1]
§A. Dies erzählte der Meister, da er im Jetavana verweilte, mit Beziehung auf die Vollendung in der Weisheit. Eines Tages nämlich priesen die Mönche in der Lehrhalle des Vollendeten Weisheitsfülle und sagten: „Freunde, der Vollendete ist von großer Weisheit, von ausgebreiteter Weisheit, von fröhlicher Weisheit, von rascher Weisheit, von scharfer Weisheit, von durchdringender Weisheit. Er zerschmettert die Widerreden [2]; durch die übernatürliche Kraft seiner Weisheit hat er Kutadanta und die übrigen Brahmanen, Sabhiya und die übrigen Bettelmönche, Angulimala und die übrigen Räuber, Alanka und die übrigen Dämonen, Sakka und die übrigen Götter, Baka und die übrigen Brahmas gebändigt und zur Selbstverleugnung gebracht. Viele Menschen sind auch durch ihn zur Weltflucht veranlasst und in den Früchten der Wege befestigt worden. Von so großer Weisheit ist, Freunde, der Meister.“ So priesen sie, während sie da saßen, den Vorzug des Meisters. Da kam der Meister und fragte: „Zu welcher Erzählung, ihr Mönche, habt ihr euch jetzt hier niedergelassen?“ Als sie antworteten: „Zu der und der“, fuhr der Meister fort: „Nicht nur jetzt, ihr Mönche, ist der Vollendete weisheitsvoll; auch früher, als seine Erkenntnis noch nicht völlig gereift war und er, um die Erkenntnis der Erleuchtung zu erlangen, umherwandelte, war er schon weisheitsvoll.“ Nach diesen Worten erzählte er folgende Begebenheit aus der Vergangenheit.
§B1. (Die neunzehn Fragen)
Als ehedem zu Mithila der König Vedeha regierte, waren seine Unterweiser in der Tugend vier Weise mit Namen Senaka, Pukkusa, Kavinda und Devinda. Damals hatte der König an dem Tage, da der Bodhisattva seine Wiedergeburt nahm, zur Zeit der Morgendämmerung folgenden Traum: Im Hofe des königlichen Palastes erhoben sich an den vier Ecken vier Feuersäulen, so groß wie die große Mauer, und brannten. In ihrer Mitte entstand ein Feuer so klein wie ein Leuchtkäfer; im Augenblick aber überstieg es die Feuersäulen, wuchs an zu einer Größe wie die Brahmawelt und blieb stehen, indem es das ganze Weltsystem erleuchtete. Selbst ein Senfkorn konnte man darin sehen, das auf den Boden gefallen war. Die Welt mit Göttern und Menschen brachte ihm mit Kränzen und wohlriechenden Substanzen ihre Verehrung dar. Eine große Menschenmenge wandelte auch in dem Glanze umher; aber nicht einmal eine Haarspitze ergriff die Glut.
Als der König dies Traumgesicht gesehen, erhob er sich furchterfüllt, und indem er dachte: „Was wird da wohl geschehen?“, wartete er sitzend auf die Morgenröte. In der Frühe kamen auch die vier Weisen und fragten nach seinem guten Schlafe, indem sie sagten: „O Fürst, habt Ihr glücklich geruht?“ Er erwiderte: „Woher soll ich Glück haben? Einen so beschaffenen Traum habe ich gehabt“, und erzählte ihnen seinen Traum. Darauf sagte ihm der weise Senaka: „Sei ohne Furcht, o Großkönig, dies ist ein Glückstraum; Förderung wird dir zuteil werden.“ Auf die Frage des Königs: „Warum?“, sprach der Weise: „O Großkönig, es wird ein anderer fünfter Weiser erscheinen, der uns vier Weise übertreffen und unseres Glanzes berauben wird. Wir vier Leute sind nämlich gleich vier Feuersäulen; gleich der in der Mitte entstandenen Feuersäule wird ein fünfter Weiser kommen, unübertrefflich in der Welt der Götter und Menschen und unvergleichlich.“ Als der König weiter fragte: „Wo ist dieser jetzt?“, antwortete jener: „O Großkönig, heute muss er entweder seine Wiedergeburt genommen oder den Mutterschoß verlassen haben“; dies sagte er infolge seines starken Wissens, als wäre er mit göttlicher Einsicht begabt. Der König aber erinnerte sich von da an an dieses Wort.
Bei Mithila aber waren an den vier Toren vier Vorstädte, die Ostvorstadt, die Südvorstadt, die Westvorstadt und die Nordvorstadt [3]. Von diesen war in der Ostvorstadt der Älteste der Kaufleute ein Mann namens Sirivaddhaka; dessen Gemahlin hieß Sumanadevi. An diesem Tage nun, zur Zeit da der König jenen Traum hatte, verließ das große Wesen den Himmel der Dreiunddreißig und nahm im Schoße dieser Frau seine Wiedergeburt. Auch andre tausend Göttersöhne verließen den Himmel der Dreiunddreißig und nahmen in derselben Stadt in den Familien der Großkaufleute und der Leute, die nach den Großkaufleuten kamen, ihre Wiedergeburt.
Sumanadevi aber gebar nach Verlauf von zehn Monaten einen goldfarbenen Sohn. In diesem Augenblicke betrachtete gerade Gott Sakka die Menschenwelt. Als er sah, dass das große Wesen den Schoß seiner Mutter verlassen wollte, dachte er: „Diesen Buddhasamen [4] muss man in der Welt der Götter und Menschen bekannt machen.“ In dem Augenblicke, da das große Wesen aus dem Schoße seiner Mutter hervorging, kam er mit unsichtbarem Körper herbei und legte in seiner Hand ein Bündel Heilkräuter; dann kehrte er an seinen Wohnort zurück. Das große Wesen fasste das Bündel mit der Faust. Als es aber den Schoß seiner Mutter verließ, hatte seine Mutter nicht den geringsten Schmerz: es kam hervor wie Wasser aus einem geweihten Wassertopf.
Als die Mutter in seiner Hand das Bündel Heilkräuter sah, sagte sie: „Mein Sohn, was hast du da bekommen?“ Der Knabe antwortete: „Ein Heilmittel, Mutter“, und gab das göttliche Heilkraut seiner Mutter in die Hand, indem er hinzufügte: „Mutter, nehmt dies Heilmittel und gebt es denen, die an irgend einer Krankheit leiden.“ Freudeerfüllt meldete sie dies dem Großkaufmann Sirivaddhaka. Dieser aber litt seit sieben Jahren an Kopfschmerzen. Voll Freude dachte er: „Dieser Knabe ist, da er aus dem Mutterschoße geboren wurde, mit einem Heilmittel gekommen und in dem Augenblick, da er geboren war, hat er mit seiner Mutter gesprochen. Ein von einem so tugendhaften Wesen gegebenes Heilmittel wird große Macht besitzen.“ Er rieb es an einem Reibstein und strich es ein wenig auf seine Stirn. Da wendete sich der siebenjährige Kopfschmerz wie Wasser von einem Lotosblatt und verschwand. So merkte er, dass das Heilmittel große Kraft habe, und war darüber hocherfreut.
Dass aber das große Wesen mit einem Heilmittel in der Hand gekommen war, wurde allenthalben bekannt. Wer irgend krank war, die kamen alle zu dem Hause des Großkaufmanns und baten um das Heilmittel. Für sie alle rieb man es an einem Reibstein, nahm ein wenig davon, vermischte es mit Wasser und gab es ihnen; kaum war ihr Körper mit dem göttlichen Heilmittel bestrichen, so hörten alle Krankheiten auf. Beglückt gingen die Menschen fort, indem sie es mit folgenden Worten priesen: „Im Hause des Großkaufmanns Sirivaddha ist ein Heilmittel von großer Kraft.“
An dem Tage, da das große Wesen seinen Namen bekommen sollte, sagte der Großkaufmann: „Mein Sohn braucht nicht den Namen seines Großvaters oder dgl., nach dem Heilmittel soll er den Namen haben“, und er gab ihm den Namen Osadhakumara (= Prinz Heilmittel). Dann kam ihm folgender Gedanke: „Mein Sohn besitzt große Vorzüge; er wird nicht allein seine Wiedergeburt genommen haben; es müssen noch andre Knaben zugleich mit ihm geboren sein.“ Während er so Beobachtungen anstellen ließ, hörte er, man habe tausend kleine Knaben gesehen. All diesen Knäblein schenkte er Schmucksachen, schickte ihnen Ammen, und indem er dachte: „Sie werden die Diener meines Sohnes sein“, veranstaltete er für sie mit dem Bodhisattva ein Fest. Man brachte aber die Knaben geschmückt jeden Tag zu dem großen Wesen um ihm aufzuwarten.
Während so der Bodhisattva mit ihnen spielte, wuchs er heran und war, als er sieben Jahre alt war, so schön wie eine goldene Schüssel. Wenn er aber inmitten des Dorfes mit ihnen spielte, wurde ihm, wenn Elefanten oder dgl. kamen, sein Spielplatz zerstört; wenn der Glutwind wehte, wurden die Knaben matt.
Eines Tages, als sie gerade spielten, stieg eine unzeitige Regenwolke empor. Als das große Wesen sie sah, lief es mit Elefantenstärke davon und gelangte in eine Halle. Die anderen Knaben, die hinterdrein liefen, strauchelten gegenseitig über ihre Füße, fielen zu Boden und zerbrachen sich die Kniee usw. Da dachte der Bodhisattva: „An diesem Orte muss man eine Spielhalle errichten; so werden wir nicht gestört werden.“ Und er sprach zu den Knaben: „An diesem Orte wollen wir eine Halle errichten, die beim Sturm oder bei der Hitze oder beim Regen einen passenden Ort bietet zum Niedersetzen oder zum Niederlegen. Bringt jeder ein Kahapana!“ Die tausend Knaben taten so.
Darauf ließ das große Wesen den Führer der Zimmerleute rufen und gab ihm die tausend Geldstücke mit dem Auftrage, er solle an dieser Stelle eine Halle erbauen. Dieser war damit einverstanden, nahm die tausend Geldstücke, ließ den Boden ebnen, grub Pfähle ein und richtete die Messschnur. Dies aber passte dem Sinne des großen Wesens nicht; deshalb zeigte ihm das große Wesen die Art, wie er seine Messschnur ausspannen sollte, und sagte: „Wenn du sie so richtest, richtest du sie gut!“ Der Zimmermann versetzte: „Herr, ich spannte sie aus gemäß meinem Wissen; auf andere Weise verstehe ich es nicht.“ Darauf sprach der Bodhisattva: „Wenn du nicht einmal soviel verstehst, wie willst du uns da für unser Geld eine Halle erbauen? Bringe die Messschnur herbei; ich werde sie ausspannen und dann dir geben.“ So ließ er sich die Messschnur herbeibringen und richtete sie selbst; es war, als hätte sie der göttliche Baumeister Vissakamma selbst gerichtet. Darauf sprach er weiter zu dem Zimmermann: „Wirst du im Stande sein, so die Messschnur zu richten?“ Dieser antwortete: „Ich werde es nicht können, Herr.“ „Wirst du es aber nach meiner Anleitung können?“ „Dann werde ich es können, Herr“, war die Antwort.
Darauf machte es das große Wesen so, dass in dieser Halle an einer Stelle ein Wohnort war für die übrigen Fremden, an einer Stelle für die Hilflosen, an einer Stelle ein Ort für hilflose Frauen zum Gebären, an einer Stelle ein Wohnort für fremde Asketen und Brahmanen, an einer Stelle für die übrigen Fremden und an einer Stelle für die fremden Kaufleute ein Ort, wo sie ihre Waren aufheben könnten. Es teilte die Halle so ein, dass alle diese Plätze eine Öffnung nach außen hatten. Dann ließ es dort auch einen Spielplatz, eine Gerichtsstätte und eine Lehrhalle errichten. Als nach wenigen Tagen die Halle fertig gestellt war, ließ es die Maler zu sich rufen und ließ nach eigener Angabe eine entzückende Malerei anbringen. Die Halle glich so der Götterhalle Sudhamma.
Darauf dachte es: „Die Halle ist so nicht schön genug, man muss noch einen Lotosteich anlegen.“ Es ließ einen Lotosteich graben, ließ einen Maurer rufen und diesen nach seiner eigenen Angabe um Lohn einen Lotosteich mit tausend Krümmungen und hundert Badestellen fertigen. Dieser war mit fünf verschiedenen Lotosarten bedeckt und war schön wie der Lotosteich im Nandana-Parke. An dessen Ufer ließ es mannigfache Bäume, die Blumen und Früchte trugen, anpflanzen und schuf so einen Park, der dem Nandana-Parke glich. Bei dieser Halle ließ es den tugendhaften Asketen und Brahmanen und den Fremden und Reisenden beständig Almosen spenden. Diese seine Tat wurde überall bekannt; viele Menschen kamen dorthin. Das große Wesen setzte sich in der Halle nieder und verkündete allen, die dorthin kamen, was jedes Mal für sie zu tun passend war. Es entschied die Rechtsstreitigkeiten; es war, als sei ein Buddha erschienen.
Zu dieser Zeit, als sieben Jahre verstrichen waren, erinnerte sich der König Vedeha: „Die vier Weisen erzählten mir, ein fünfter Weiser werde erscheinen, der sie übertreffen werde; wo ist dieser jetzt?“ Und er schickte mit dem Auftrag, sie sollten dessen Aufenthaltsort erfahren, zu den vier Toren vier Minister aus. Diejenigen, welche an den anderen Toren hinausgegangen waren, sahen das große Wesen nicht; derjenige aber, der zum Osttor hinausgegangen war, sah die Halle und die anderen Dinge und dachte: „Wer diese Halle fertigte oder fertigen ließ, muss ein Weiser sein.“ Deshalb fragte er die Leute: „Von welchem Zimmermann ist diese Halle erbaut worden?“ Die Leute antworteten: „Diese hat der Zimmermann nicht durch eigene Kraft gemacht, sondern nach der Angabe des weisen Mahosadha, des Sohnes des Großkaufmanns Sirivaddhaka, ist diese Halle erbaut worden.“ Auf seine weitere Frage, wie viel Jahre der Weise zähle, erwiderten sie: „Er hat sieben Jahre vollendet.“
Da rechnete der Minister von dem Tage an, da der König den Traum gehabt, und merkte: „Das Traumgesicht des Königs passt; dieser allein ist der Weise.“ Er schickte daher dem König folgende Botschaft: „O Fürst, in der Ostvorstadt hat der Sohn des Großkaufmanns Sirivaddha, der weise Mahosadha, der im Alter von sieben Jahren steht, eine derartige Halle errichten lassen; auch einen Lotosteich und einen Park ließ er anlegen. Soll ich diesen Weisen mitbringen oder soll ich ihn nicht mitbringen?“ Diese Nachricht sandte er dem König.
Als der König dies hörte, ließ er hocherfreut den Senaka zu sich rufen, verkündete ihm die Begebenheit und fragte: „Wie, Senaka, sollen wir den Weisen herbeiholen?“ Dieser antwortete, um dessen Ruhm zu verkleinern: „O Großkönig, es ist noch kein Weiser, wer nur eine Halle und dergleichen errichten lässt; jeder beliebige kann das tun; das ist wenig!“ Als der König dessen Worte hörte, dachte er: „Da muss eine Ursache vorhanden sein“, und schwieg still. Seinem Minister aber schickte er die Gegenbotschaft: „Er soll dort bleiben und den Weisen auf die Probe stellen.“ Da dies der Minister hörte, blieb er dort und prüfte den Weisen; von diesen Prüfungen gibt es folgende Zusammenstellung:
Als eines Tages der Bodhisattva sich nach dem Spielplatz begab, nahm ein Habicht von einem Metzgertisch ein Stück Fleisch und flog damit in die Luft empor. Als dies die Knaben sahen, lachten sie: „Wir wollen ihn veranlassen, dass er das Stück Fleisch wegwirft“, und verfolgten den Habicht. Der Habicht aber flog hierhin und dorthin. Während jene nun nach oben schauten und ihm immer nachliefen, stolperten sie über Steine u. dgl. und wurden müde. Du sagte zu ihnen der Weise: „Ich mache, dass er es wegwirft.“ „Bewirke dies, o Herr!“, entgegneten die anderen. „So seht also zu“, versetzte er. Ohne hinauf zusehen lief er mit Windesschnelle nach und trat dabei auf des Habichts Schatten; dazu stieß er einen lauten Ruf aus und klatschte in die Hände. Infolge seiner Kraft durchdrang dieser Ruf des Habichts Leib und breitete sich darin gewissermaßen aus. Voll Furcht ließ er das Fleisch fallen. Als das große Wesen merkte, dass der Vogel das Fleisch weggeworfen hatte, betrachtete es den Schatten und gestattete nicht, dass es auf den Boden fiel, sondern fing es noch in der Luft auf. Da die Menge dies Wunder sah, machte sie mit Rufen und Händeklatschen großen Lärm. — Als der Minister diese Begebenheit erfuhr, schickte er dem König folgende Botschaft: „Der Weise hat auf diese Weise den Habicht zum Herabwerfen des Fleischstückes veranlasst, dies möge der Fürst erfahren.“ Als der König dies hörte, fragte er den Senaka: „Wie, Senaka, sollen wir den Weisen herbeiholen?“ Jener aber dachte bei sich: „Sobald dieser hierher kommt, von dieser Zeit an werden wir unsern Glanz verlieren; der König wird dann nicht einmal mehr wissen, dass wir existieren. Es ziemt sich, ihn nicht herbeiholen zu lassen.“ Und aus Eifersucht auf seinen Ruhm sagte er: „Wegen so wenigem, o Großkönig, ist er noch kein Weiser; das ist etwas Geringes.“ Da wurde der König gleichgültig und sandte die Gegenbotschaft, jener solle ihn weiter prüfen.
Ein Mann, der in der Vorstadt wohnte, wollte einmal, als es geregnet hatte, pflügen. Er kaufte in einem Dorfe Ochsen, brachte sie nach Hause und ließ sie dort bleiben. Am andern Tage führt er sie zum Füttern auf einen Grasplatz. Während er aber auf dem Rücken des einen Ochsen saß, wurde er müde, stieg herab, setzte sich nieder und schlief ein. In diesem Augenblicke nahm ein Dieb die Ochsen und lief mit ihnen davon. Als jener beim Aufwachen die Ochsen nicht mehr sah, schaute er überall herum. Da bemerkte er den forteilenden Dieb. Schnell sprang er auf und rief: „Wohin führst du meine Ochsen?“ Jener erwiderte: „Ich führe meine Ochsen, wohin ich will.“ Man hörte ihren Streit und so versammelte sich eine große Menge. Als nun der Weise den Lärm von ihnen hörte, wie sie an der Tür der Halle vorbeigingen, ließ er sie herbeirufen, und da er ihr Gebaren bemerkte, erkannte er: „Dies ist der Eigentümer und dieser ist der Dieb.“ Obwohl er dies aber erkannte, fragte er: „Warum streitet ihr?“ Da sagte der Eigentümer der Ochsen: „Ich habe diese in dem Dorfe so und so von einem Manne so und so gekauft, nach Hause gebracht, sie dort die Nacht verbringen lassen und sie dann zu einem Grasplatze geführt. Dort sah dieser Mann, dass ich ermüdet war, und lief mit den Ochsen davon. Als ich nun überall umschaute, sah ich ihn, verfolgte ihn und packte ihn. Die Bewohner des Dorfes so und so wissen, dass ich sie gekauft und mitgenommen habe.“ Der Dieb aber erwiderte: „Sie sind in meinem Hause geboren; dieser lügt.“ Da sagte der Weise: „Ich werde euren Streit gerecht entscheiden; wollt ihr mich auf den Richterstuhl setzen [6]?“ Als sie antworteten: „Wir wollen es tun“, dachte er: „Es ziemt sich, das Herz der Menge zu gewinnen“, und fragte zuerst den Dieb: „Womit hast du diese Ochsen gefüttert, womit hast du sie getränkt?“ Jener antwortete: „Ich habe sie Reisschleim trinken lassen und habe ihnen Sesam und Bohnen zu fressen gegeben.“ Darauf fragte er den Eigentümer der Ochsen; dieser erwiderte: „Woher, Herr, soll ich armer Mann Reisschleim und dergleichen haben? Ich habe sie Gras fressen lassen.“ Nachdem der Weise diese ihre Worte der Menge mitgeteilt, ließ er Piyangu-Blätter [7] herbeibringen, die in einem Mörser zerstoßen und in Wasser zerrieben wurden; dieses gab er den Ochsen zu trinken. Da gaben die Ochsen nur Gras von sich. Der Weise zeigte dies der Menge mit den Worten: „Seht dies!“ Dann fragte er den Dieb: „Bist du ein Dieb oder bist du kein Dieb?“ Jener gestand, er sei ein Dieb. Der Weise fuhr fort: „So tue von nun an nicht mehr dergleichen!“ Die Leute des Bodhisattva aber führten ihn fort und schlugen ihn mit Händen und Füßen, dass er krank wurde. Da wandte sich an ihn der Weise mit dieser Ermahnung: „Schon in dieser sichtbaren Welt ist dir solches Leid zuteil geworden, im künftigen Leben aber wirst du in der Hölle und ähnlichen Straforten große Schmerzen erdulden. Von jetzt an gib solche Taten auf!“ So gab er ihm die fünf Gebote. — Der Minister berichtete diese Begebenheit dem Könige, wie sie geschehen war. Der König fragte Senaka; dieser aber antwortete: „Ein Streit um Rinder wird von jedem beliebigen entschieden; warte nur!“ Da wurde der König gleichgültig und sandte jenem wieder dieselbe Botschaft. — So ist es auch bei allen anderen Geschichten zu verstehen; von jetzt an aber wollen wir nur erzählen, um das Inhaltsverzeichnis zu erklären. —
Ein armes Weib hatte aus bunten Fäden ein Band gebunden. Einmal machte es den aus den Fäden hergestellten Bandschmuck vom Halse los, legte ihn auf ihr Gewand und stieg in den Lotosteich, den der Weise hatte graben lassen, um darin zu baden. Ein anderes junges Weib sah dies, bekam Lust danach, hob ihn auf und sagte: „Mutter, dies ist gar schön; mit wieviel hast du dies gemacht? Auch ich möchte mir ein solches verfertigen.“ Sie hing es um ihren Hals [8] und fragte: „Kann ich sein Maß untersuchen?“ Als die andere geraden Sinnes antwortete: „Untersuche es nur!“, hing jene es um den Hals und entfernte sich damit. Da die andere dies sah, stieg sie rasch heraus, zog ihr Gewand an, lief ihr nach und fasste sie am Gewande mit den Worten: „Nimmst du den von mir gefertigten Schmuck und läufst damit fort?“ Die andere versetzte: „Ich nehme nichts, was dir gehört; an meinem Halse ist nur mein Schmuck.“ Als man dies hörte, versammelte sich eine große Menge. — Der Weise, der gerade mit den anderen Knaben in der Halle spielte, hörte, wie sie streitend an der Tür der Halle vorbeigingen. Er fragte: „Was für ein Gespräch ist dies?“ Als er hörte, was der Grund ihres Streites war, ließ er sie zu sich rufen und merkte gleich beim Anblick: „Dies ist die Diebin.“ Er fragte nach dem Sachverhalt und fragte sie: „Unterwerft ihr euch meinem Urteil?“ Als sie antworteten: „Ja, Herr“, fragte er zuerst die Diebin: „Mit welchem Parfüm hast du deinen Schmuck besprengt?“ Sie erwiderte: „Ich sprenge immer den alles umfassenden Wohlgeruch aus.“ Der „alles umfassende Wohlgeruch“ ist nämlich ein aus allen Parfüms verbunden hergestellter Wohlgeruch. — Dann fragte er die andere. Diese sprach: „Woher soll ich Arme den alles umfassenden Wohlgeruch haben? Ich besprenge immer nur mit dem Duft der Priyangu-Blume.“ Darauf ließ der Weise eine Schüssel mit Wasser holen und den Schmuck hineinwerfen; dann ließ er einen Parfümverkäufer herbeirufen, ihn an der Schüssel riechen und sagte zu ihm: „Erkenne, was dies für ein Wohlgeruch ist.“ Dieser merkte beim Riechen, dass es der Duft der Priyangu-Blume war, und sprach folgende Strophe aus dem ersten Buche [9]:
Das große Wesen tat dies der Menge kund; dann fragte er jene: „Bist du eine Diebin oder bist du keine Diebin?“, und ließ sie so eingestehen, dass sie die Diebin war. Von da an wurde die Weisheit des großen Wesens der Volksmenge bekannt.
Eine Baumwollfeldwächterin nahm, während sie ein Baumwollfeld hütete, dort ganz reine Baumwolle, spann sich einen feinen Faden daraus, machte davon einen Knäuel und legte diesen in den Bausch ihres Gewandes. Als sie dann in ihr Dorf zurückkehrte, wollte sie in dem Lotosteich des Weisen baden; deshalb legte sie den Fadenknäuel auf ihr Gewand und stieg in das Wasser hinab, um zu baden. Als eine andere Frau dies sah, nahm sie es mit räuberischem Sinne weg und sagte: „Ach, Mutter, dies ist ein schöner Faden, den du da gemacht hast.“ Sie schnippte mit den Fingern, tat ihn, als wenn sie ihn nur ansehen wollte, in den Bausch ihres Gewandes und entfernte sich. — Das nächste ist in der Art auszuführen wie oben angegeben. — Der Weise fragte nun die Diebin: „Als du den Knäuel machtest, was legtest du da hinein?“ Sie antwortete: „Einen Baumwollfruchtkern, Herr.“ Als er die andere fragte, sagte diese: „Einen Tinduka-Kern.“ Nachdem er nun die Worte von beiden der Volksmenge mitgeteilt hatte, ließ er den Fadenknäuel auseinander wickeln und sah den Tinduka-Kern darinnen. Er ließ die Diebin eingestehen, dass sie gestohlen hatte. Hochbefriedigt rief die Menge: „Gut entschieden ist der Streit“, und ließ tausend Beifallsrufe erschallen.
Eine Frau war mit ihrem Sohne, um sich das Antlitz zu waschen, nach dem Lotosteiche des Weisen gegangen. Nachdem sie ihren Sohn gebadet, setzte sie ihn auf ihr Gewand, wusch ihr Antlitz und stieg hinab, um zu baden. In diesem Augenblick sah eine Dämonin den Knaben und bekam Lust, das Kind aufzufressen. Sie nahm die Gestalt einer Frau an und fragte: „Es glänzt fürwahr dieser Knabe; ist er dein Sohn?“ Als die andere antwortete: „Ja, Mutter“, fuhr sie fort: „Ich will ihn trinken lassen.“ Auf die Zusage der andern nahm sie ihn, ließ ihn ein wenig spielen und begann dann, mit ihm davonzulaufen. Als die andere dies sah, lief sie ihr nach und fasste sie mit den Worten: „Wohin bringst du meinen Sohn?“ Die Dämonin versetzte: „Woher soll ich deinen Sohn erhalten haben? Dies ist mein Sohn.“ — Während sie so stritten, kamen sie an der Türe der Halle vorbei. Als der Weise den Lärm von ihrem Streit hörte, rief er sie zu sich und fragte sie: „Was ist dies?“ Nachdem er ihren Streit erfahren, erkannte er an dem Nichtblinzeln und der Röte ihrer Augen, dass jene eine Dämonin war; gleichwohl sagte er: „Wollt ihr euch meinem Urteile unterwerfen?“ Als sie antworteten: „Ja, wir wollen uns unterwerfen“, zog er einen Strich und ließ den Knaben mitten auf den Strich legen. Dann ließ er ihn von der Dämonin an den Händen, von der Mutter an den Füßen ergreifen und sagte zu den beiden „Zieht und nehmt ihn; nur derjenigen, die ihn zu sich zu ziehen vermag, soll der Knabe gehören.“ Die beiden zogen an. Während aber der Knabe so hin und her gezogen wurde, litt er Schmerzen und begann zu weinen. Da ließ die Mutter, als ob ihr das Herz zerbräche, ihren Sohn los und blieb weinend stehen. Jetzt fragte der Weise die Menge: „Ist gegen einen Knaben das Herz der Mutter mild oder das Herz von einer, du nicht seine Mutter ist?“ Er erhielt zur Antwort: „Das Herz einer Mutter, du Weiser.“ „Ist also jetzt dies die Mutter, die ihn festhält, oder die, die ihn losgelassen hat?“ „Diejenige, die ihn losgelassen hat“, war die Antwort. Der Weise fuhr fort: „Kennt ihr aber diese Knabendiebin?“ „Wir kennen sie nicht, Weiser.“ „Dies ist eine Dämonin; sie nahm den Knaben, um ihn zu fressen.“ „Wie erkennst du dies, Weiser?“, fragten sie. Er erwiderte: „An dem Nichtblinzeln und der Röte ihrer Augen, am Fehlen des Schattens, an ihrer Furchtlosigkeit und an ihrer Mitleidlosigkeit.“ Darauf fragte er sie: „Wer bist du?“ Sie antwortete: „Ich bin eine Dämonin, o Herr.“ Weiter fragte er: „Warum hast du diesen Knaben weggenommen?“ „Um ihn zu verzehren, o Herr“, war die Antwort. Jetzt sagte der Weise: „Du blinde Törin, weil du auch früher Böses tatest, wurdest du als Dämonin geboren und jetzt tust du wieder Böses? Ach, du bist eine blinde Törin!“ Nachdem er sie so ermahnt, befestigte er sie in den fünf Geboten und entließ sie dann. Die Mutter des Knaben aber pries den Weisen mit den Worten: „Lebe lange, o Herr“, und entfernte sich dann mit ihrem Sohne.
Ein Mann nämlich, der wegen seiner Zwerghaftigkeit Ball und wegen seiner schwarzen Farbe Schwarzer genannt wurde, der also den Namen Golakala (= schwarzer Ball) hatte, nahm sich, nachdem er sieben Jahre lang zu Hause gearbeitet hatte, eine Frau; diese hieß Dighatala (= lange Palme). Eines Tages sagte er zu ihr: „Liebe, backe Kuchen und Esswaren; wir wollen fortgehen, um die Eltern zu besuchen.“ Sie aber wies ihn zurück mit den Worten: „Was willst du mit den Eltern?“ Als er es aber dreimal gesagt hatte, ließ er Kuchen backen, nahm Reisevorrat und ein Geschenk mit und machte sich mit ihr auf den Weg. Unterwegs sah er einen Fluss, der seicht dahin floss; die beiden aber hatten Angst vor dem Wasser. Da sie sich deshalb den Fluss nicht zu überschreiten getrauten, blieben sie am Flussufer stehen. Damals kam nun gerade ein armer Mann namens Dighapitthi (= Langrücken), während er an dem Fluss umherwandelte, an diese Stelle. Als sie ihn sahen, fragten sie ihn: „Freund, ist dieser Fluss tief oder nicht?“ Jener merkte, dass sie vor dem Wasser Angst hatten, und antwortete deshalb: „Er ist sehr tief und voll wilder Fische.“ Sie fragten weiter: „Freund, wie wirst du darüber gehen?“ Er erwiderte: „Hier haben die Krokodile eine nähere Bekanntschaft mit uns; darum verletzen sie uns nicht.“ „So bringe du uns hinüber“, baten sie. „Gut“, stimmte er zu. Darauf gaben sie ihm feste und flüssige Speise. Nachdem er sein Mahl verzehrt hatte, fragte er: „Wen, Freund, soll ich zuerst hinüberbringen?“ Der Mann antwortete: „Nimm deine [11] Freundin zuerst mit; mich kannst du nachher holen.“ Jener erwiderte: „Gut“, setzte sie auf seine Schulter, nahm den Reisevorrat und die ganzen Geschenke mit und stieg in den Fluss hinab. Als er ein wenig gegangen war, bückte er sich bis auf die Kniee nieder und ging so weiter. Da dachte Golakala, während er am Ufer stand: „Wie tief fürwahr ist dieser Fluss! Auch auf diesem Langrücken wird mir ein derartiger Fluss unüberschreitbar sein.“ Nachdem aber der andere die Frau bis in die Mitte des Flusses gebracht hatte, sagte er zu ihr: „Liebe, ich werde dich ernähren, du wirst leben reich versehen mit Gewändern und Schmuck und umgeben von Sklaven und Sklavinnen. Was kann dir dieser winzige Zwerg machen? Tue nach meinem Wort!“ Als sie seine Worte hörte, zerstörte sie die Liebe zu ihrem Manne und verliebte sich noch in demselben Augenblick in den anderen; sie gab ihre Zustimmung mit den Worten: „Herr, wenn du mich nicht verstoßen willst, werde ich tun nach deinem Worte.“ Als sie an das andere Ufer gekommen waren, ließen einträchtig die beiden den Golakala im Stich; mit den Worten: „Bleibe nur!“, verzehrten sie vor seinen Augen die Speisen und gingen dann fort. — Als jener dies sah, dachte er: „Die beiden sind einig geworden, geben mich auf und laufen davon, glaub ich.“ Er lief immer hin und her, stieg ein wenig ins Wasser hinab, kehrte aber aus Furcht wieder um. Dann dachte er aus Zorn über sie: „Entweder bleibe ich leben oder ich sterbe“, sprang in den Fluss und fiel hin. Da merkte er die Seichtheit des Flusses, überschritt ihn und verfolgte den anderen. Als er ihn erreicht hatte, rief er: „Holla, du verräterischer Dieb, wohin bringst du meine Gattin?“ Der andere aber versetzte: „Holla, du falscher Zwerg, woher ist dies deine Gattin? Meine Gattin ist dies!“ Mit diesen Worten packte er ihn am Halse, drehte ihn um und warf ihn zu Boden. Jener nahm nun Dighatala bei der Hand und sagte zu ihr: „Bleib stehen; wohin gehst du? Nachdem ich sieben Jahre lang im Hause gearbeitet, habe ich dich zur Gattin erhalten.“ — Während er so mit dem anderen stritt, gelangte er in die Nähe der Halle; eine große Volksmenge versammelte sich. Das große Wesen fragte: „Was für ein Lärm ist dies?“, ließ die beiden zu sich rufen, hörte ihre Rede und Gegenrede und sagte zu ihnen: „Wollt ihr euch meiner Entscheidung unterwerfen?“ Auf ihre bejahende Antwort rief er zuerst den Dighapitthi zu sich und fragte ihn: „Wie heißt du?“ Jener antwortete: „Ich heiße Dighapitthi, Herr.“ „Wie heißt deine Gattin?“, fragte der Weise weiter. Da er ihren Namen nicht kannte, nannte er irgend einen anderen Namen. Jener fuhr fort: „Wie heißen deine Eltern?“ „Sie heißen so und so.“ „Wie heißen die Eltern deiner Gattin?“, fragte jener weiter. Da der andere dies nicht wusste, nannte er wieder einen anderen Namen. Darauf hieß der Weise die Versammlung diese Namen behalten, schickte jenen weg und ließ den andern rufen. Diesen fragte er nach der angegebenen Art nach den Namen von diesen allen und er, der sie der Wahrheit gemäß kannte, nannte sie ohne Fehler. Darauf schickte jener auch diesen weg und ließ Dighatala zu sich rufen. Diese fragte er: „Wie heißt du?“ Sie antwortete: „Ich heiße Dighatala, Herr.“ „Wie heißt dein Gatte?“, fragte er weiter. Da sie es nicht wusste, nannte sie einen anderen Namen. „Wie heißen deine Eltern?“, fragte er weiter. Sie nannte die Namen, wie sie waren. Als er aber weiter fragte, wie die Eltern ihres Mannes hießen, nannte sie stammelnd wieder einen anderen Namen. Jetzt ließ der Weise die beiden anderen herbeirufen und fragte die Menge: „Passt die Rede von dieser zu den Worten des Dighapitthi oder zu denen des Golakala?“ „Zu denen des Gola, Herr“, antworteten sie. „So ist also dieser ihr Gatte und der andere ist der Dieb“, fuhr er fort; und er fragte jenen und ließ ihn seinen Diebstahl eingestehen.
Ein Mann hatte sich auf seinen Wagen gesetzt und war fortgefahren, um sein Antlitz zu waschen. In diesem Augenblick überlegte gerade Gott Sakka und sah dabei den Weisen. Er dachte bei sich: „Ich werde die übernatürliche Macht der Weisheit des Buddhasprossen Mahosadha bekannt machen“, kam in Menschengestalt herbei, packte den Wagen an seinem Hinterteile und ging so weiter. Der auf dem Wagen sitzende Mann fragte ihn: „Freund, zu welchem Zweck bist du gekommen?“ „Um Euch zu dienen.“ Jener stimmte zu, stieg vom Wagen herab und ging fort, um seinen Körper zu pflegen. In diesem Augenblick bestieg Sakka den Wagen und fuhr rasch fort. Nachdem der Besitzer des Wagens seinen Körper gereinigt hatte, kam er heraus und sah, wie Sakka mit dem Wagen davonfuhr. Rasch ging er nach und rief: „Bleibe, bleibe; wohin führst du meinen Wagen?“ Der andere erwiderte: „Dein Wagen wird ein anderer sein; dies aber ist mein Wagen.“ — Indem er so mit ihm stritt, kam er zur Türe der Halle. Der Weise dachte: „Was ist dies?“, und ließ ihn zu sich rufen. Als er ihn herankommen sah, merkte er an seiner Furchtlosigkeit und an dem Nichtblinzeln der Augen, dass der eine Gott Sakka war, der andere aber der Eigentümer des Wagens. Trotzdem aber fragte er nach dem Grunde des Streites und sagte: „Wollt ihr euch meiner Entscheidung unterwerfen?“ Als sie antworteten: „Ja, Herr“, fuhr er fort: „Ich werde den Wagen vorwärts treiben; ihr zwei fasst den Wagen hinten und lauft mit. Derjenige, dem der Wagen gehört, lässt nicht los, der andere wird ihn loslassen.“ Und er befahl einem Manne: „Treibe den Wagen voran!“ Dieser tat so. Die beiden anderen fassten den Wagen hinten und liefen nach. Der Eigentümer des Wagens aber konnte, nachdem er ein wenig gelaufen war, nicht mehr weiterlaufen, ließ den Wagen los und blieb stehen; Gott Sakka aber lief immer mit dem Wagen. Da ließ der Weise den Wagen wieder umkehren und verkündete nun den Leuten: „Dieser Mann hat, nachdem er ein wenig gelaufen, den Wagen losgelassen und ist stehen geblieben; dieser andere aber ist mit dem Wagen gelaufen und auch mit dem Wagen wieder umgekehrt. An seinem Körper ist kein einziger Schweißtropfen, auch kein Ein- und Ausatmen ist zu hören. Dieser Furchtlose, der mit den Augen nicht blinzelt, ist nur Sakka, der Götterkönig!“ Darauf fragte er ihn: „Bist du der Götterkönig?“ Auf seine bejahende Antwort fragte er weiter: „Warum bist du gekommen?“ Jener erwiderte: „Um deine Weisheit bekannt zu machen, du Weiser:“ Der Weise ermahnte ihn nun, er solle von jetzt an nicht mehr so tun; Sakka aber stellte sich, indem er seine göttliche Macht zeigte, in die Luft und pries den Weisen mit den Worten: „Gut entschieden ist der Streit.“ Darauf kehrte er an seinen Wohnort zurück. Hierauf ging jener Minister selbst zum Könige hin und sprach zu ihm: „O Großkönig, so hat der Weise den Streit wegen des Wagens entschieden; selbst Gott Sakka wurde von ihm überwunden. Warum erkennst du nicht den Vorzug des Mannes, o Fürst?“ Da fragte der König den Senaka: „Senaka, sollen wir den Weisen holen lassen?“ Dieser aber antwortete: „O Großkönig, mit so wenig ist man noch kein Weiser. Wartet; ich will ihn sogleich prüfen und es so sehen.“
Ende der sieben Fragen des Knaben
Eines Tages sagten sie: „Wir wollen den Weisen auf die Probe stellen.“ Sie ließen einen Akazienstab herbeibringen, nahmen davon eine Spanne lang weg, ließen dies Stück von einem Drechsler gut abschaben und schickten es so in die Ostvorstadt mit folgender Botschaft: „Die Bewohner der Ostvorstadt sind ja weise; sie sollen erkennen, was die Spitze und was der Fuß dieses Akazienstabes ist. Wenn sie es nicht finden, müssen sie tausend Kahapanas Strafe zahlen.“ Da versammelten sich die Dorfbewohner, und weil sie es nicht herausfinden konnten, berichteten sie dem Großkaufmann: „Vielleicht kann es der weise Mahosadha erkennen; lasst ihn rufen und fragt ihn!“ Der Großkaufmann ließ den Weisen vom Spielplatz rufen, erzählte ihm die Sache und fragte ihn: „Mein Sohn, wir sind nicht im Stande, es zu erkennen; wirst vielleicht du es herausbringen können, mein Sohn?“ Als dies der Weise hörte, dachte er: „Dem Könige ist es nicht darum zu tun, ob dies die Spitze und dies der Fuß ist; er wird es, um mich auf die Probe zu stellen, geschickt haben.“ Und er sprach: „Vater, bringt es herbei; ich werde es herausbringen.“ Er nahm den Stab in die Hand; obwohl er aber gleich merkte, was die Spitze und was der Fuß war, ließ er, um das Herz der Menge zu gewinnen, eine Schüssel mit Wasser bringen. Um den Akazienstab band er in der Mitte eine Schnur, fasste dann das Ende der Schnur und legte den Akazienstab auf das Wasser. Da tauchte der Fuß infolge seiner Schwere zuerst in das Wasser ein. Jetzt fragte er die Menge: „Ist bei einem Baume die Wurzel schwerer oder die Spitze?“ Man antwortete ihm: „Die Wurzel, du Weiser.“ Darauf sagte er: „So seht also, wie bei diesem zuerst der untere Teil untergegangen ist“, und erklärte ihnen mit diesem Zeichen die Spitze und den Fuß. Die Dorfbewohner aber sandten den Stab wieder dem Könige mit der Bemerkung, das sei die Spitze und das der Fuß. Erfreut fragte der König, wer dies gefunden habe. Als er hörte, es sei der weise Mahosadha, der Sohn des Großkaufmanns Sirivaddhi, da fragte er: „Wie, Senaka, wollen wir ihn herbeiholen?“ Dieser aber versetzte: „Warte noch, Fürst, wir wollen ihn auch mit einem anderen Mittel auf die Probe stellen.“
Eines Tages ließen sie zwei Schädel herbeibringen, den eines Mannes und den einer Frau, und schickten sie in die Vorstadt mit dem Befehl: „Sie sollen erkennen, was der Schädel der Frau und was der Schädel des Mannes ist; wenn sie es nicht erkennen, sollen sie tausend (Kahapanas) als Strafe zahlen.“ Da es die Dorfbewohner nicht wussten, fragten sie den Mahosadha. Sobald dieser es sah, merkte er sogleich: „An einem Männerschädel sind die Nähte gerade, an einem Frauenschädel aber sind sie krummer und gehen ringsum.“ Infolge dieser Erkenntnis bestimmte er: „Dies ist der Schädel der Frau und dies der Schädel des Mannes.“ Die Dorfbewohner schickten diese Botschaft dem Könige; das Übrige gleicht dem oben Erzählten.
Eines Tages ließen sie ein Schlangenmännchen und ein Schlangenweibchen herbeibringen und schickten sie in die Vorstadt mit dem Auftrag, man solle erkennen, welches die männliche und welches die weibliche Schlange sei. Die Dorfbewohner fragten den Weisen; sobald er sie sah, merkte er: Beim Schlangenmännchen ist der Schwanz dick, bei dem Weibchen dünn; beim Schlangenmännchen ist der Kopf dick, beim Weibchen lang; beim Schlangenmännchen sind die Augen groß, beim Weibchen klein; beim Schlangenmännchen ist der Gürtel hübsch rund [12], beim Weibchen zerrissen. Infolge dieser Merkmale verkündete er, was das Schlangenmännchen und was das Weibchen war. Das Übrige entspricht dem oben Erzählten.
Eines Tages schickten sie den Befehl: „Die Bewohner der Ostvorstadt sollen uns einen ganz weißen, an den Füßen gehörnten, am Kopfe mit Buckel versehenen Stier senden, der schreit, ohne drei Zeiten zu überschreiten; wenn sie ihn nicht senden, sollen sie tausend Kahapanas Strafe zahlen.“ Da jene dies nicht verstanden, fragten sie den Weisen. Dieser sagte: „Der König befiehlt euch, einen ganz weißen Hahn zu bringen; dieser ist, weil er an seinem Fuße einen Sporn hat, an den Füßen gehörnt; wegen des Schopfes auf seinem Haupte ist er am Haupte gebuckelt; wenn er dreimal kräht, so schreit er, ohne drei Zeiten zu überschreiten. Darum sendet ihm einen derartigen Hahn.“ Sie taten so.
Das Kleinod, das Gott Sakka dem König Kusa gegeben hatte, war an den acht Ecken gekrümmt [13]. Von ihm war die Schnur zerrissen. Niemand war im Stande, die alte Schnur herauszuziehen und eine neue durchzuziehen. Eines Tages nun sandten sie dies den Vorstadtbewohnern mit dem Auftrag, sie sollten aus diesem Kleinod die alte Schnur herausziehen und eine neue hindurch stecken. Die Dorfbewohner aber konnten weder die alte herausnehmen noch eine neue durchziehen. Da sie nicht dazu im Stande waren, meldeten sie es dem Weisen. Dieser sagte: „Seid unbekümmert!“ Dann befahl er ihnen, einen Tropfen Honig herbeizubringen, und bestrich das Loch an beiden Seiten des Kleinods mit dem Honig. Hierauf drehte er einen Wollfaden zusammen, benetzte ihn an der Spitze mit Honig und drehte ihn ein wenig in das Loch. Das Ganze legte er an eine Stelle, wo Ameisen herauskamen. Infolge des Honiggeruches kamen die Ameisen aus ihrer Höhle hervor; sie gingen voran, indem sie in dem Kleinod den alten Faden auffraßen; dann fassten sie den Wollfaden, bissen hinein und zogen ihn durch, bis sie ihn an einer Seite herausgebracht hatten. Als der Weise merkte, dass der Faden durchgezogen war, gab er das Kleinod den Dorfbewohnern mit der Weisung, es dem König zu übergeben. Diese schickten es dem König; als dieser das Mittel hörte, wie der Faden durchgezogen war, war er befriedigt.
Eines Tages gaben sie dem Leibstier des Königs viel Bohnen zu fressen, dass er einen dicken Bauch bekam; sie reinigten ihm die Hörner, bestrichen ihn mit Öl, wuschen ihn mit Gelbwurz und schickten ihn so zu den Bewohnern der Ostvorstadt mit folgender Botschaft: „Ihr seid ja weise. Dieser Leibstier des Königs hat eine Leibesfrucht empfangen; lasset ihn gebären und schickt ihn mit dem Kalbe zurück. Wenn ihr dies nicht tut, müsst ihr tausend Kahapanas Strafe zahlen.“ Die Dorfbewohner fragten den Weisen: „Wir sind nicht im Stande, so zu tun; was sollen wir machen?“ Dieser dachte bei sich: „Man muss eine Gegenfrage stellen“, und er fragte jene: „Werdet ihr einen kühnen Mann bekommen können, der im Stande ist, mit dem Könige zu reden?“ Sie antworteten: „Dies ist nicht schwer, Weiser.“ „So ruft ihn also herbei“, fuhr er fort. Sie riefen ihn herbei; darauf sprach zu ihm das große Wesen: „Gehe mit auf den Rücken herabfallenden Haaren, und indem du mannigfache laute Klagerufe ausstößt, an das Tor des königlichen Palastes. Wenn dich die anderen fragen, so erwidere nichts, sondern klage weiter. Wenn dich aber der König rufen lässt und dich nach dem Grunde deines Jammerns fragt, so antworte: ‘Mein Vater, o Fürst, kann nicht gebären. Heute ist der siebente Tag. Sei du meine Rettung und sage ihm ein Mittel, wie er gebären kann.’ Wenn dann der König sagt: ‘Was plapperst du da für Unsinn? Es gibt doch keine Männer, die gebären,’ dann sprich: ‘Wenn dies, o Fürst, wahr ist, wie sollen dann die Bewohner der Ostvorstadt den königlichen Leibochsen zum Gebären veranlassen?’“ Jener stimmte dem zu und tat so. Der König fragte: „Von wem ist diese Gegenfrage ausgedacht?“ Als er hörte, dies sei vom weisen Mahosadha geschehen, war er darüber befriedigt.
An einem andern Tage dachten sie wieder: „Wir wollen den Weisen auf die Probe stellen“, und sie schickten den Bewohnern der Ostvorstadt folgende Weisung: „Sie sollen sauren Reisbrei kochen, der mit acht Kennzeichen versehen ist, und uns schicken. Dies sind die acht Kennzeichen: Nicht aus Reiskörnern, nicht mit Wasser, nicht in einem Topf, nicht in einem Ofen, nicht mit Feuer, nicht mit Holz, nicht von einer Frau, nicht von einem Mann, nicht auf einer Straße. Wenn sie ihn nicht schicken, müssen sie tausend Kahapanas Strafe zahlen.“ Da die Dorfbewohner dies nicht verstanden, fragten sie den Weisen. Dieser versetzte: „Seid unbekümmert!“ Weil der Brei nicht aus Reiskörnern sein sollte, ließ er sie Reisstaub nehmen; „nicht mit Wasser“, deshalb ließ er sie Schnee nehmen; „nicht in einer Schüssel“, da ließ er sie ein anderes Tongefäß nehmen; „nicht im Ofen“, da ließ er das Gefäß in einen Baumstumpf eingraben; „nicht mit Feuer“, deshalb verzichtete er auf natürliches Feuer und ließ Feuer von Reibehölzern nehmen; „nicht mit Holz“, deshalb ließ er Blätter nehmen und damit den sauren Reisbrei kochen. Dann legte er diesen in ein neues Gefäß, röstete ihn und ließ dieses nicht von einem Weibe oder einem Manne, sondern von einem Verschnittenen aufheben und sagte dann: „Weil es nicht auf der Straße geschehen soll, so verzichtet auf die Hauptstraße und schickt es dem Könige auf einem Fußpfade!“ Sie taten so. Der König fragte, von wem diese Frage so verstanden worden sei; als er hörte, von dem weisen Mahosadha, war er hochbefriedigt.
An einem anderen Tage sandten sie, um den Weisen wieder auf die Probe zu stellen den Dorfbewohnern folgenden Auftrag: „Der König möchte sich auf der Schaukel vergnügen; im königlichen Hause aber ist der alte Sandstrick zerrissen. Man soll einen neuen Strick aus Sand drehen und ihn schicken; wenn man ihn nicht schickt, muss man tausend Kahapanas Strafe zahlen.“ Da dies die Bewohner nicht verstanden, fragten sie den Weisen. Dieser dachte: „Auch hier muss eine Gegenfrage gestellt werden.“ Er tröstete die Dorfbewohner, ließ zwei oder drei des Wortes kundige Männer herbeirufen und sagte zu ihnen: „Gehet zum König und sprechet zu ihm: ‘O Fürst, die Dorfbewohner kennen von diesem Strick nicht das Maß, ob er dünn oder dick ist. Schickt von dem alten Sandstrick ein Stück eine Spanne lang oder vier Zoll lang; dieses werden wir anschauen und dann nach diesem Maß den Strick drehen.’ Wenn dann der König euch sagt: ‘In unserem Hause hat es früher noch keinen Sandstrick gegeben,’ so sprecht: ‘Wenn, o Großkönig, man dies nicht machen kann, wie sollen dann die Bewohner der Ostvorstadt einen Strick aus Sand machen können?’“ Mit dieser Weisung schickte er sie fort. Sie taten so. Als der König dies hörte, fragte er: „Von wem ist diese Gegenfrage ausgedacht worden?“ Da er hörte, von dem Weisen, war er hochbefriedigt.
An einem anderen Tage sandten sie den Dorfbewohnern wieder folgenden Befehl: „Der König möchte sich am Wasserspiel erfreuen. Man soll ihm einen mit fünf Arten von Lotosblumen bedeckten neuen Lotosteich schicken; wenn man diesen nicht schickt, werden sie um tausend Kahapanas gestraft.“ Jene meldeten dies dem Weisen; dieser dachte wieder: „Man muss dabei eine Gegenfrage stellen.“ Er gab den Auftrag, einige redekundige Männer zu sich zu rufen, und sagte zu diesen: „Spielt ihr im Wasser, macht eure Augen rot, eure Haare und eure Kleider nass, bestreicht mit Schmutz euren Körper, nehmt Schlingen, Stöcke und Erdklumpen in die Hand und geht so an die Türe des königlichen Palastes. Lasst dem Könige melden, dass ihr an der Türe steht; wenn ihr dann Erlaubnis erhaltet, so geht hinein und sprechet: ‘O Großkönig, weil ihr zu den Bewohnern der Ostvorstadt gesandt habt mit dem Auftrag, sie sollten Euch einen Lotosteich schicken, sind wir mit einem Euch angemessenen großen Lotosteich gekommen. Weil dieser aber immer im Walde gelebt hat, hat er, als er die Stadt sah und die Mauern, Wälle und Tortürme betrachtete, voll Furcht die Schlingen zerrissen, ist davon gelaufen und in den Wald hineingeflüchtet. Wir haben ihn dann mit Erdklumpen und Stöcken geschlagen, konnten ihn aber nicht zur Umkehr veranlassen [14]. Gebt uns den aus Eurem Walde geholten alten Lotosteich; mit ihm wollen wir den anderen zusammenbinden und ihn so herbeibringen.’ Wenn dann der König sagt: ‘Noch niemals ist früher zu mir aus meinem Walde ein Lotosteich gekommen und noch niemals habe ich meinen Lotosteich an jemand angebunden und, um etwas zu holen, fortgeschickt’, so erwidert: ‘Wenn es so ist, wie sollen dann die Bewohner der Ostvorstadt den Lotosteich schicken können?’“ Mit diesem Auftrage schickte er sie fort. Diese taten so; als aber der König hörte, dass dies von dem Weisen so erdacht sei, war er hochbefriedigt.
Wiederum sandten sie eines Tages folgenden Auftrag: „Wir möchten uns im Parke ergehen; unser Park aber ist alt. Die Bewohner der Ostvorstadt sollen uns einen neuen schicken, der mit schön blühenden Bäumen erfüllt ist.“ Der Weise dachte wieder: „Dabei muss man eine Gegenfrage anwenden“; er tröstete sie, sandte wieder Leute ab und ließ diese in der oben angegebenen Art reden. —
Da war der König wieder erfreut und fragte den Senaka: „Wie, Senaka, sollen wir den Weisen holen lassen?“ Dieser aber sagte aus Neid gegen diese Ehrung: „Mit so wenig ist man noch kein Weiser; warte nur.“ Als der König dessen Worte vernahm, dachte er bei sich: „Der weise Mahosadha hat, obwohl er noch jung an Weisheit ist, doch mein Herz gewonnen; auch bei so versteckten Prüfungen und bei der Beantwortung von Fragen hat er eine Lösung gefunden wie ein Buddha. Senaka erlaubt mir nicht, einen solchen Weisen herbeizuholen. Was brauche ich Senaka? Ich werde ihn selbst herbeiholen.“ Und er zog mit großem Gefolge fort nach dem Dorfe.
Als er aber sein königliches Leibross bestiegen hatte und so dahinritt, drang der Fuß des Rosses in eine Erdspalte und zerbrach. Der König kehrte sogleich von da um und begab sich wieder in die Stadt zurück. Da suchte ihn Senaka auf und fragte: „O Großkönig, seid Ihr, um den Weisen zu holen, nach der Ostvorstadt gegangen?“ Auf die bejahende Antwort des Königs fuhr Senaka fort: „O Großkönig, Ihr habt mich zu einem gemacht, der nicht Euren Vorteil liebt, und während ich sagte: ‘Seht noch zu und wartet noch’, seid Ihr allzu rasch fortgezogen; dabei ist beim ersten Schritt der Fuß Eures Leibrosses gebrochen.“ Als der König dessen Worte hörte, verstummte er.
Abermals an einem Tage sagte er zu Senaka „Wie, Senaka, sollen wir den weisen Mahosadha herbei holen?“ Dieser erwiderte: „Darum, o Fürst, gehet nicht selbst, sondern sendet einen Boten mit folgendem Auftrag: ‘Du Weiser, als wir zu dir kommen wollten, brach mein Ross den Fuß; er soll uns ein besseres Ross schicken [15] und einen Älteren.’ Wenn er ein besseres Ross schicken wird, so wird er selbst kommen; wenn er einen Älteren schickt, wird er seinen Vater schicken. Dies wird für uns wieder eine Frage sein.“ Der König gab seine Zustimmung und schickte einen Boten mit diesem Auftrage.
Als der Weise das Wort des Boten hörte, dachte er bei sich: „Der König möchte mich und auch meinen Vater sehen.“ Deshalb ging er zu seinem Vater hin, bezeigte ihm seine Verehrung und sprach zu ihm „Vater, der König möchte Euch sowohl wie auch mich sehen. Geht Ihr zuerst hin, umgeben von tausend Großkaufleuten; wenn ihr aber hingeht, so gehet nicht um leeren Händen, sondern nehmt eine mit frischer Butter gefüllte Schachtel aus Sandelholz mit. Wenn dann der König mit Euch ein liebenswürdiges Gespräch begonnen hat, wird er sagen: ‘Suchet Euch einen für einen Hausvater passenden Sitz und setzt Euch nieder!’ Ihr sucht Euch dann einen passenden Sitz und setzt Euch nieder. Wenn Ihr Platz genommen habt, werde ich kommen. Der König wird auch mit mir eine liebenswürdige Unterhaltung beginnen und sagen: ‘Du Weiser, suche dir einen für dich passenden Sitz und setze dich nieder.’ Dann werde ich Euch ansehen; Ihr aber erhebt Euch bei diesem Zeichen und sagt: ‘Lieber weiser Mahosadha, setze dich auf diesen Sitz.’ Heute wird eine Frage zu ihrem Ziele kommen.“
Jener stimmte zu, begab sich auf die angegebene Art dorthin und ließ dem Könige melden, dass er an dem Tore stehe. Als die Botschaft kam, er möge hereinkommen, trat er ein, bezeigte dem Könige seine Ehrfurcht und blieb ihm zur Seite stehen. Der König begann mit ihm ein freundliches Gespräch und fragte ihn dann: „Hausvater, wo ist dein Sohn, der weise Mahosadha?“ Jener antwortete: „Er kommt hinter mir her.“ Als der König hörte, er komme, war er hocherfreut und sagte: „Suche dir einen für dich passenden Sitz und setze dich nieder.“ Jener suchte sich einen für ihn passenden Sitz und setzte sich nieder.
Als nun der weise Mahosadha mit allem Schmuck geziert und von tausend Knaben umgeben auf einem reichgezierten Wagen sitzend in die Stadt fuhr, sah er auf einem Walle einen Esel und gab einigen kräftigen Jünglingen folgenden Auftrag: „Verfolgt diesen Esel, ergreift ihn und bindet ihm so das Maul zu, dass er keinen Laut von sich geben kann; wickelt ihn dann in eine Decke, nehmt ihn auf die Schulter und geht mit ihm fort!“ Sie taten so. — So zog auch der Bodhisattva mit großem Gefolge in die Stadt ein. Die Volksmenge sagte: „Dies ist ja der Sohn des Großkaufmanns Sirivuddhaka, der weise Mahosadha. Dieser hatte bei seiner Geburt ein Bündel mit Heilkräutern in der Hand; von ihm wurden bei allen den vielen Prüfungsfragen die richtigen Antworten gefunden.“ So ersättigten sie sich nicht, das große Wesen zu preisen und anzuschauen.
Als der Bodhisattva an das Tor des königlichen Palastes kam, gab er den Auftrag, seine Ankunft zu melden. Als der König dies hörte, antwortete er hocherfreut: „Mein Sohn, der weise Mahosadha, soll rasch kommen!“ Dieser stieg von den tausend Knaben umgeben zu dem Palaste hinauf, bezeigte dem Könige seine Ehrfurcht und stellte sich ihm zur Seite. Als der König ihn sah, begann er voll Freude eine liebenswürdige Unterhaltung mit ihm und sagte dann: „Du Weiser, suche dir einen passenden Sitz und nimm Platz!“ Dieser sah seinen Vater an; sein Vater aber stand bei dem Zeichen des Blickes auf und sagte: „Du Weiser, nimm auf diesem Sitze Platz!“ Er aber setzte sich dort nieder.
Als sie ihn dort sitzen sahen, schlugen Senaka, Pukkusa, Kavinda, Devinda und noch andere blinde Toren sich in die Hand, schlugen ein lautes Gelächter auf und sagten: „O dieser Weise ist ein blinder Tor! Er ließ seinen Vater von seinem Sitze aufstehen und hat sich selbst dort niedergesetzt. Ihn einen Weisen zu nennen, ist unziemlich!“ So spotteten sie. Auch der König war darüber missvergnügt. Da fragte ihn das große Wesen: „Wie, o Großkönig, seid Ihr missvergnügt?“ Er antwortete: „Ja, ich bin missvergnügt. Nur von dir zu hören ist schön, dich aber zu sehen ist unangenehm geworden.“ „Warum?“, fragte Mahosadha und der König erwiderte: „Weil du deinen Vater veranlasst hast, von seinem Sitze aufzustehen, und dich selbst dort niedergesetzt hast.“
Jetzt fragte Mahosadha: „Wie aber, o Großkönig, glaubst du, dass in allen Fällen der Vater den Vorzug verdient vor den Kindern?“ Als der König diese Frage bejahte, fuhr jener fort: „O Großkönig, habt Ihr uns nicht den Auftrag gesandt, ein besseres Pferd [16] oder einen Älteren zu schicken?“ Mit diesen Worten erhob er sich von seinem Sitze, blickte die Jünglinge an und befahl ihnen: „Bringt den von euch gefangenen Esel herbei!“ Diesen ließ er zu den Füßen des Königs hinlegen und fragte hierauf den König: „O Großkönig, was ist dieser Esel wert?“ Der König antwortete: „Wenn er ein zur Arbeit tauglicher Esel ist, so ist er acht Kahapanas wert.“ „Ein Maultier aber, das durch diesen Esel im Schoße einer edlen Stute entsteht, was ist dies wert?“ „Dies ist unschätzbar, du Weiser“, antwortete der König. Nun sprach Mahosadha: „O Fürst, warum redet Ihr so? Habt Ihr nicht soeben gesagt, dass der Vater in allen Fällen den Vorzug verdient vor dem Sohne? Wenn dies wahr ist, so ist nach Eurem Wort der Esel mehr wert als das Maultier. Wie aber, o Großkönig, Eure Weisen konnten dies so Geringe nicht erkennen, schlugen sich deshalb in die Hand und lachten! Ach diese Weisheitsfülle Eurer Weisen! Woher habt Ihr diese erhalten?“ Nachdem er so die vier Weisen gleichfalls verspottet, redete er den König mit folgender Strophe aus dem ersten Buche an [17]:
Nach diesen Worten aber fuhr er fort: „Ja, o Großkönig, wenn der Vater besser ist als der Sohn, so nehmt meinen Vater; wenn aber der Sohn besser ist als der Vater, so nehmt mich zu Eurem Nutzen!“ Der König war darüber hocherfreut. Das ganze Gefolge des Königs aber rief: „Gut hat der Weise die Frage gelöst“, und ließ tausend Beifallsrufe erschallen; sie klappten mit den Fingern und warfen ihre Gewänder in die Luft. Die vier Weisen jedoch waren missvergnügt. — Es gibt aber niemand, der den Vorzug der Eltern so gut verstände wie der Bodhisattva. Warum tat er so? Nicht um seinen Vater der Ehre zu berauben, sondern weil der König die Botschaft geschickt hatte, er solle ein besseres Pferd schicken oder einen Älteren, tat er so, um diese Frage offenkundig zu machen und zugleich um seine Weisheit bekannt zu machen und um die vier Weisen ihres Glanzes zu berauben. Ende der Frage nach dem Esel.
Hocherfreut nahm jetzt der König eine mit duftendem Wasser gefüllte goldene Kanne in die Hand und ließ das Wasser dem Großkaufmann in die Hand fallen, indem er dabei sprach: „Genieße die Einkünfte der Ostvorstadt nach dem Rechte des Königs!“ Er fügte hinzu: „Die übrigen Großkaufleute sollen nur dessen Diener sein.“ Der Mutter des Bodhisattva sandte er alle Arten von Schmucksachen. Weil er aber über die Frage nach dem Esel befriedigt war, sagte er, um den Bodhisattva zu seinem Sohn zu erhalten, zu dem Großkaufmann: „O Hausvater, mache den weisen Mahosadha zu meinem Sohn und gib ihn mir!“ Jener antwortete: „O Fürst, er ist noch jung, noch heute riecht sein Mund nach Milch. Wenn er älter geworden ist, wird er bei Euch sein.“ Doch der König erwiderte: „Hausvater, sei du von jetzt an ohne Anhänglichkeit an diesen; von heute angefangen ist er mein Sohn. Ich werde schon im Stande sein, meinen Sohn aufzuziehen; gehe nur!“ Mit diesen Worten entließ er ihn. Jener bezeigte dem Könige seine Verehrung; dann umarmte er seinen Sohn, legte ihn an sein Herz, küsste ihn auf das Haupt und gab ihm eine Ermahnung. Auch der Sohn bezeigte dem Vater seine Verehrung und entließ ihn mit den Worten: „Vater, seid nicht bekümmert!“ Darauf fragte der König den Weisen: „Mein Sohn, willst du innerhalb meines Palastes bleiben oder außerhalb meines Palastes?“ Dieser dachte: „Mein Gefolge ist groß; es ziemt mir, außerhalb des Palastes zu bleiben“, und er sagte: „Ich will außerhalb des Palastes wohnen.“ Darauf ließ ihm der König ein passendes Haus geben, ließ ihm angefangen von den tausend Knaben alle Ausgaben zahlen und überwies ihm alle Besitzungen. Von da an diente er dem Könige; der König aber wollte ihn immer noch auf die Probe stellen.
Damals befand sich unweit vom Südtor der Stadt am Ufer eines Lotosteiches auf einer Palme in einem Krähenneste ein Edelsteinkleinod; dessen Schatten ward in dem Lotosteiche sichtbar. Man meldete dem König, in dem Lotosteiche sei ein Kleinod. Dieser sagte zu Senaka: „In dem Lotosteiche wird ja ein Edelsteinkleinod bemerkt; wie sollen wir dies holen lassen?“ Jener erwiderte: „Man muss zuerst das Wasser entfernen lassen; dann kann man es holen.“ Mit den Worten: „Tue daher so!“, gab ihm der König diesen Auftrag. Jener ließ viele Leute zusammenkommen und befahl ihnen das Wasser und den Schlamm zu entfernen; auch die Erde ließ er aufgraben, doch fand er das Kleinod nicht. Als aber der Teich wieder mit Wasser gefüllt war, sah man wieder den Schatten des Kleinods. Jener tat abermals wie vorher, fand aber wieder nichts.
Darauf sprach der König zu dem Weisen: „In dem Lotosteich sieht man einen Edelstein. Senaka hat ihn nicht gefunden, obwohl er das Wasser und den Schlamm wegschaffen und den Grund aufgraben ließ. Nachdem aber der Lotosteich wieder gefüllt ist, sieht man ihn wieder. Wirst du im Stande sein, den Edelstein holen zu lassen?“ Der Weise erwiderte: „Dies ist nicht schwer, o Großkönig; kommt, ich werde es Euch zeigen!“ Erfreut dachte der König: „Heute werde ich die Kraft des Verstandes des Weisen sehen“; und von einer großen Volksmenge umgeben ging er an das Ufer des Lotosteiches. Jetzt trat das große Wesen an das Ufer, betrachtete das Kleinod und erkannte dabei: „Dies Kleinod ist nicht in dem Lotosteiche; es muss auf diesem Palmbaum sein.“ Und es sprach: „O Fürst, das Kleinod ist nicht im Lotosteiche.“ Als dieser erwiderte: „Sieht man es nicht im Wasser?“, ließ der Weise eine Schüssel mit Wasser herbeibringen und sagte: „Sieh, Fürst, dieses Kleinod ist nicht nur in dem Lotosteiche zu sehen, sondern es ist auch in der Schüssel sichtbar.“ Als dann der König fragte: „Du Weiser, wo muss aber das Kleinod sein?“, antwortete er: „O Fürst, in dem Lotosteiche sowohl wie in der Schüssel sieht man nur seinen Schatten, nicht das Kleinod selbst. Das Kleinod aber befindet sich auf diesem Palmbaume in dem Krähennest. Lass einen Mann hinaufsteigen und es herunterholen!“ Darauf ließ der König so das Kleinod herbeiholen; der Mann nahm es und legte es in die Hand des Königs. Da äußerte die Menge gegen den Weisen ihren Beifall, schalt auf Senaka und lobte das große Wesen, indem sie rief: „Das Edelsteinkleinod ist auf dem Palmbaum im Krähennest. Senaka ließ von starken Männern nur den Lotosteich aufgraben. Ein Weiser muss fürwahr dem Mahosadha ähnlich sein [18].“ Hocherfreut gab ihm der König die Perlenkette, die seinen eigenen Hals schmückte; auch den tausend Knaben ließ er Perlenhalsbänder geben. Dem Bodhisattva aber und seinem Gefolge gewährte er, dass sie ihm aufwarten durften ohne Türhüter [19].
Ende der neunzehn Fragen [20]
Wiederum an einem Tage ging der König mit dem Weisen zusammen in seinen Park. Damals wohnte ein Chamäleon oben auf dem Torbogen. Als dies den König kommen sah, stieg es herunter und legte sich auf den Boden. Als der König dessen Gebaren sah, fragte er: „Du Weiser, was tut da dieses Chamäleon?“ Er antwortete: „O Großkönig, es verehrt Euch.“ Der König versetzte: „Wenn es sich so verhält, so soll die uns bezeigte Verehrung nicht fruchtlos sein; lasse ihm seinen Lohn geben.“ Der Weise erwiderte: „O Großkönig, dieses Tier braucht keinen Lohn; es genügt ihm, wenn es etwas zu fressen bekommt.“ „Was frisst es aber?“ „Fleisch, o Fürst.“ „Wie viel soll es erhalten?“ „Soviel man für einen Heller [21] bekommt, o Fürst.“ Jetzt gab der König einem Manne folgenden Auftrag: „Eine Königsgabe von einem Heller ziemt sich nicht; bringe für dieses Tier beständig für einen halben Groschen Fleisch und gib es ihm!“ Dieser sagte: „Gut“, und tat von da an so.
Eines Tages nun, als wegen des Uposatha keine Tötung vorgenommen wurde und er deshalb kein Fleisch erhielt, durchbohrte er den halben Groschen, zog eine Schnur hindurch und hängte ihn dem Chamäleon um den Hals; dieses wurde deswegen stolz. An eben diesem Tage ging der König wieder in den Park. Als das Tier den König kommen sah, dachte es infolge seines Stolzes, der durch das Geldstück in ihm erwachsen war: „O Vedeha, bist du jetzt reich an Geld oder bin ich es?“ Und indem es sich mit dem König gleichstellte, stieg es nicht herunter, sondern es legte sich auf den Torbogen und bewegte das Haupt.
Als der König dessen Tun bemerkte, fragte er: „Du Weiser, dieses Tier steigt nicht wie sonst heute herab; was ist schuld daran?“ Und er sprach folgende erste Strophe:
Der Weise erkannte: „Weil der Mann des Königs am Uposatha-Tage, wo keine Tötung vorgenommen werden darf, kein Fleisch erhielt, hat er den halben Groschen ihm an den Hals gebunden und darüber muss es stolz geworden sein.“ Und er sprach folgende Strophe:
Der König ließ den Mann rufen und fragte ihn; dieser erzählte es, wie es geschehen war. Da dachte der König: „Ohne irgend jemand zu fragen, hat der Weise wie ein allwissender Buddha die Absicht des Chamäleons erkannt“; überaus erfreut gab er dem Weisen die Zölle aus den vier Toren. Dem Chamäleon aber zürnte er und wollte ihm seine Nahrung nehmen; der Weise jedoch verhinderte dies, indem er sagte: „Es ist unpassend.“
Ende der Frage nach dem Chamäleon
Es war aber ein zu Mithila wohnender junger Brahmane namens Pinguttara nach Takkasila gezogen und hatte, während er bei einem weltberühmten Lehrer die Künste erlernte, diese sehr schnell sich zu eigen gemacht. Nachdem er sich so bemüht hatte, verabschiedete er sich von seinem Lehrer, indem er sagte: „Ich will gehen.“ Es herrschte aber in dieser Familie der Brauch, dass, wenn eine erwachsene Tochter da ist, diese dem vorzüglichsten Schüler gegeben werden muss. Dieser Lehrer nun hatte eine sehr schöne Tochter, die einem Göttermädchen an Schönheit glich. Deshalb sprach er zu jenem: „Mein Sohn, ich will dir meine Tochter geben; gehe mit ihr fort!“
Jener Brahmanenjüngling aber war unglücklich und ein Unglücksrabe, das Mädchen jedoch besaß große Tugenden. Als er sie nun sah, wurde sein Herz nicht an sie gefesselt; obwohl er sie aber nicht begehrte, stimmte er doch zu, indem er dachte: „Des Lehrers Wort werde ich nicht brechen.“ Der Brahmane gab ihm also seine Tochter. Als jener aber zur Nacht auf seinem reich geschmückten Lager lag und diese kam und kaum hinaufgestiegen war, da erhob er sich zitternd vom Lager und legte sich auf den Boden. Darauf stieg sie herab und ging zu ihm hin; er aber stand wieder auf und bestieg wieder sein Lager. Sie stieg auch wieder hinauf; er aber stieg wieder von seinem Bett herab. Ein Unglücksrabe nämlich kommt mit dem Glück nicht zusammen. So lag das Mädchen auf dem Bett, er aber lag nur auf dem Boden. Nachdem er so sieben Tage verbracht hatte, verabschiedete er sich mit ihr von seinem Lehrer und zog fort; unterwegs gab es nicht einmal eine Ansprache noch ein Gespräch. So kamen beide unwillig nach Mithila.
Da sah Pinguttara unweit der Stadt einen früchtebeladenen Udumbara-Baum [22]. Von Hunger gequält stieg er hinauf und aß. Da seine Frau aber auch hungrig war, ging sie an den Fuß des Baumes hin und sagte: „Werft mir auch Früchte herunter!“ Er aber antwortete: „Wie, hast du keine Hände und Füße? Steige selbst hinauf und iss!“ Sie stieg hinauf und aß. Als er nun merkte, dass sie hinaufgestiegen war, stieg er rasch herab, umgab den Baum mit Dornen, und indem er sagte: „Befreit bin ich von dem Unglücksvogel“, lief er davon. Da sie aber nicht herabsteigen und weiter gehen konnte, setzte sie sich dort nieder.
Der König hatte gerade in seinem Parke sich ergangen und kehrte auf dem Rücken seines Elefanten sitzend zur Abendzeit in die Stadt zurück. Da sah er sie dort, verliebte sich in sie und ließ sie fragen, ob sie verheiratet oder unverheiratet sei. Sie antwortete: „O Herr, ich habe einen Gatten, der mir von meiner Familie gegeben wurde; dieser aber ließ mich hier sitzen, verstieß mich und lief fort.“ Der Minister meldete diese Begebenheit dem Könige. Da sagte der König: „Herrenloser Besitz gehört ja dem König“; er ließ sie herabholen, auf seinen Elefanten heben und brachte sie in seinen Palast. Hier weihte er sie und setzte sie als seine erste Gemahlin ein. Sie war ihm lieb und angenehm; weil er sie aber auf einem Udumbara-Baum gesehen hatte, gab man ihr nur den Namen: Fürstin Udumbara. Als nun eines Tages der König in den Park gehen wollte, übertrug man den Bewohnern der Vorstadt das Geschäft, den Weg herzurichten. Auch Pinguttara, der um Lohn arbeitete, gürtete sein Gewand hoch und glättete mit dem Spaten den Weg. Als der Weg noch nicht fertig gestellt war, fuhr der König fort, indem er mit der Fürstin Udumbara auf dem Wagen stand. Als aber die Fürstin jenen Unglücksraben den Weg glätten sah, konnte sie ein so großes Glück nicht ertragen, sondern indem sie dachte: „Da ist der Unglücksrabe“, schaute sie ihn an und lachte. Da der König sie lachen sah, wurde er zornig und fragte: „Warum hast du gelacht?“ Sie antwortete: „O Fürst, dieser den Weg glättende Mann ist mein früherer Gatte; dieser ließ mich den Feigenbaum hinaufsteigen, umgab mich dann mit Dornen und ging fort. Da ich ihn jetzt erblickte, konnte ich ein solches Glück nicht ertragen, sondern ich dachte: ‘Da ist der Unglücksrabe’ und lachte.“ Der König aber erwiderte: „Du sagst die Unwahrheit; weil du irgendeinen anderen gesehen hast, hast du gelacht. Ich werde dich töten.“ Und er ergriff sein Schwert. Voll Furcht sagte sie jetzt: „O Fürst, frage nur deine Weisen!“ Darauf fragte der König den Senaka: „Glaubst du diesem Worte von dieser?“ Er erwiderte: „Ich glaube ihr nicht; denn wer wird ein solches Weib aufgeben und fortgehen?“ Als jene diese Rede hörte, fürchtete sie sich noch viel mehr. Da dachte der König: „Was versteht Senaka? Ich will den Weisen fragen.“ Und indem er diesen fragte, sprach er folgende Strophe [23]:
Als dies der Weise hörte, sprach er folgende Strophe:
Auf dessen Wort hin zürnte der König nicht mehr darüber und sein Herz beruhigte sich. Befriedigt über ihn sagte er: „Du Weiser, wenn du nicht hier gewesen wärest, wäre ich heute bei dem Worte des Toren Senaka geblieben und hätte ein solches Frauenkleinod nicht mehr erhalten. Jetzt habe ich sie durch dich erhalten.“ Er erwies dem Weisen mit hunderttausend Geldstücken Ehrung. Darauf bezeigte die Königin dem König ihre Ehrfurcht und sagte: „O Fürst, durch den Weisen wurde mir das Leben gerettet; ich spreche den Wunsch aus, ihn an die Stelle meines jüngeren Bruders zu setzen.“ Der König erwiderte: „Gut, Fürstin, hast du gewählt; ich gewähre dir den Wunsch.“ Darauf sprach die Königin weiter: „O Fürst, von heute an werde ich ohne meinen jüngeren Bruder nichts süß Schmeckendes mehr verzehren; dass ich von jetzt an zur Zeit oder zur Unzeit meine Tür öffnen lassen und ihm Süßigkeiten schicken darf, dies spreche ich als einen mir zu gewährenden Wunsch aus.“ Der König antwortete: „Gut, Liebe, nimm die Erfüllung deines Wunsches entgegen!“
Ende der Frage nach dem Glück und dem Unglücksvogel
An einem anderen Tage ging der König, nachdem er das Frühmahl eingenommen, in dem langen Gange auf und ab. Da sah er, wie in einer Torbefestigung ein Bock und ein Hund freundschaftlich miteinander verkehrten. — Dieser Bock hatte in dem Elefantenstall das dem Elefanten vorgeworfene, noch unberührte Gras gefressen; darauf schlugen ihn die Elefantenwärter und trieben ihn hinaus. Als er schreiend davonlief, kam einer rasch her und schlug ihm mit einem Stock auf den Rücken. Der Bock ging mit gebeugtem Rücken schmerzbetäubt davon und legte sich im Hause des Königs neben die große Mauer an deren Rückseite [24]. An demselben Tage konnte ein Hund, der in des Königs Küche von Knochen, Haut u. dgl. groß geworden war, als der Koch das Mahl hergerichtet hatte und hinaustrat, um den Schweiß an seinem Körper zu trocknen, den Wohlgeruch von dem Fisch und Fleisch nicht aushalten, sondern er drang in die Küche hinein, warf den Deckel herunter und fraß das Fleisch. Bei dem Klang des Gefäßes kam der Koch herein; als er den Hund sah, schloss er die Tür und schlug ihn mit Erdklumpen, Stöcken u. dgl. Der Hund ließ das gefressene Fleisch aus dem Maul fallen und lief schreiend davon. Als aber der Koch merkte, dass jener draußen war, lief er ihm nach und schlug ihm den Rücken kreuz und quer mit einem Stock. So kam der Hund, den Rücken gebeugt und einen Fuß aufhebend, an den Ort, wo der Bock lag. Da sagte zu ihm der Bock: „Freund, was kommst du mit gebeugtem Rücken daher; leidest du an Blähungen?“ Der Hund erwiderte: „Auch du liegst mit gebeugtem Rücken; hast du in deinem Leibe Blähungen?“ Darauf erzählte ihm dieser, was ihm begegnet war. Dann fragte ihn der Bock: „Wirst du dich aber getrauen, nochmals in die Küche zu gehen?“ Der Hund antwortete: „Ich werde dazu nicht im Stande sein; wenn ich dorthin gehe, ist es um mein Leben geschehen.“ Der Hund fragte weiter: „Wirst du dich aber getrauen, nochmals in den Elefantenstall zu gehen?“ Der Bock erwiderte: „Auch ich kann nicht mehr dorthin gehen; wenn ich dorthin komme, so ist es um mein Leben geschehen.“ Da sagten sie: „Wie werden wir denn jetzt leben können?“, und sannen über ein Mittel nach. Darauf sprach der Bock: „Wenn wir in Eintracht zusammen leben, so gibt es ein Mittel.“ „So rede also“, sagte der Hund und der Bock sprach weiter: „Freund, gehe du von jetzt an in den Elefantenstall. Die Elefantenwärter werden denken: ‘Dieser frisst kein Gras’ und um deinetwillen keinen Zweifel hegen; du aber kannst mir dann Gras bringen. Ich meinerseits werde in die Küche hineingehen. Der Koch wird denken: ‘Dies ist kein Fleischfresser’ und um meinetwillen keine Angst haben; dann werde ich dir Fleisch bringen.“ Da dachten die beiden: „Es gibt ein Mittel“, und waren beide einverstanden. Der Hund lief in den Elefantenstall, fasste mit den Zähnen einen Grasbüschel, brachte diesen herbei und legte ihn auf die Rückseite der großen Mauer; der andere hinwiederum ging in die Küche, nahm ein Stück Fleisch in das Maul, so groß, dass es ihm das Maul füllte, brachte es herbei und legte es ebendahin. So wohnten durch diese List die beiden in voller Eintracht zusammen an der Rückseite der großen Mauer. Als der König ihre Freundschaft bemerkte, dachte er bei sich: „Ein noch nie gesehenes Ereignis fürwahr habe ich wahrgenommen. Obwohl diese beiden Feinde sind, wohnen sie einträchtig beieinander. Aus diesem Ereignis will ich eine Frage machen und diese den Weisen vorlegen. Diejenigen, welche diese Frage nicht verstehen, werde ich aus dem Reiche vertreiben; demjenigen aber, welcher sie versteht, werde ich sagen: ‘Einen solchen Weisen gibt es nicht mehr’ und ihm große Ehrung zuteil werden lassen. Heute ist keine Zeit mehr; morgen werde ich sie fragen, wenn sie mich zur Zeit der Aufwartung besuchen.“
Als nun am nächsten Tage die Weisen zur Aufwartung kamen und bei ihm saßen, sprach er um seine Frage vorzulegen folgende Strophe:
Nachdem er aber so gesprochen, sagte er abermals:
Senaka saß auf dem obersten Sitze, der Weise am Rande des Sitzes. Dieser überlegte die Frage; da er aber ihren Sinn nicht fand, dachte er bei sich: „Dieser König ist ein Tor von Natur; er ist unfähig diese Frage auszudenken und zusammenzubringen. Er wird irgendetwas gesehen haben. Wenn ich einen Tag Zeit finde, werde ich diese Frage herausbringen.“ Senaka dachte: „Durch irgend ein Mittel muss man ihn heute veranlassen, dass er einen einzigen Tag wartet.“ Auch die vier anderen fanden nichts, als wären sie in der tiefsten Finsternis. Senaka dachte nun: „Wie steht es mit Mahosadha?“, und schaute den Bodhisattva an; auch dieser schaute ihn an. Senaka aber erkannte, als er den Bodhisattva anschaute, dessen Gedanken und merkte, dass auch diesem Weisen der Sinn nicht klar sei. Da dachte er: „Weil dieser es heute nicht sagen kann, darum wünscht er für einen Tag freie Zeit; ich werde seinen Wunsch erfüllen.“ Infolge seiner Vertrautheit mit dem Könige fing er laut zu lachen an und fragte: „Wie, o Großkönig, willst du uns alle, wenn wir deine Frage nicht beantworten können, aus dem Lande treiben?“ „Ja, du Weiser“, antwortete der König.
Darauf fuhr Senaka fort: „Du merkst, dass dies eine Knotenfrage [25] ist; wir können diese Frage nicht lösen. Warte noch ein wenig! Diese Knotenfrage kann man nicht inmitten einer großen Menge herausbringen. Wir wollen sie allein überdenken und sie Euch nachher verkünden. Gib uns Zeit!“ Und er sprach mit Rücksicht auf das große Wesen folgendes Strophenpaar:
Als der König ihre Worte hörte, wurde er zwar unwillig, doch sagte er: „Gut, denkt nach und sagt es dann; wenn ihr es nicht sagt, werde ich euch aus dem Lande jagen.“ Mit diesen Worten flößte er ihnen Furcht ein. Die vier Weisen stiegen nun von dem Palast herab. Da sprach Senaka zu den anderen: „Ihr Lieben, der König hat eine subtile Frage gestellt; wenn sie nicht gleich gelöst wird, würde für uns eine große Gefahr entstehen. Verzehrt ihr Reisbrei mit zerlassener Butter und überleget gut!“
Auch der Weise erhob sich; er ging zur Fürstin Udumbara hin und fragte sie: „Fürstin, wo hat heute oder gestern der König lange gestanden?“ Sie antwortete: „Mein Lieber, er ist im langen Gang umhergewandelt und hat dabei zum Fenster hinausgeschaut.“ Da dachte der Bodhisattva: „Der König wird auf dieser Seite etwas gesehen haben.“ Er ging dorthin, schaute hinaus und zog folgenden Schluss: „Nachdem der König das Tun des Bockes und des Hundes gesehen, hat er die Frage ausgedacht.“ Und er ging nach Hause.
Nachdem aber die anderen drei nachgedacht und nichts gefunden hatten, gingen sie zu Senaka. Dieser fragte sie: „Habt ihr die Frage verstanden?“ „Wir haben sie nicht verstanden, Meister“, antworteten sie. „Wenn aber der König uns deshalb verbannen wird, was werdet ihr da tun?“ „Habt aber ihr etwas gefunden?“ „Auch ich finde nichts.“ „Wenn Ihr nichts findet, was sollen da wir finden? Bei dem König haben wir wie Löwen gebrüllt: ‘Wir wollen darüber nachdenken und es Euch dann sagen’ und sind darum gekommen. Wenn wir es nicht sagen, wird der König zornig werden; was sollen wir tun?“
Darauf dachten sie: „Diese Frage können wir nicht verstehen; der Weise wird es auf hundert Arten ausgedacht haben.“ Und sie sprachen: „Kommt, lasst uns zu ihm hingehen.“ So gingen die vier an das Haustor des Bodhisattva, ließen ihm ihre Ankunft melden und traten ein. Nachdem sie ein freundliches Gespräch mit ihn begonnen hatten, fragten sie zu seiner Seite stehend das große Wesen: „Wie, du Weiser, hast du die Frage ausgedacht?“ Er antwortete: „Wenn ich sie nicht ausdenke, welcher andere wird sie da ausdenken? Ja, ich habe sie herausgebracht.“ „So teilt dies auch uns mit“, baten sie. Darauf dachte der Weise: „Wenn ich es diesen nicht mitteile, wird sie der König aus seinem Reiche vertreiben, mich aber mit den sieben Arten der Kostbarkeiten verehren. Diese Toren sollen nicht zugrunde gehen; ich will es ihnen mitteilen.“ Er ließ die vier sich auf einen niederen Sitz setzen und dir Hände zu ihm falten. Dann sagte er, ohne sie wissen zu lassen, was der König gesehen: „Wenn euch der König fragt, so sagt folgendes.“ Er setzte für die vier vier Strophen zusammen, ließ sie die Stelle [26] lernen und entließ sie.
Am zweiten Tage gingen sie zur Aufwartung des Königs und ließen sich auf dem hergerichteten Sitz nieder. Darauf fragte der König den Senaka: „Senaka, hast du die Frage verstanden?“ Dieser antwortete „Wenn ich sie nicht verstehe, welcher andere wird sie da verstehen?“ Der König fuhr fort: „So sage es also!“ „Höret, o Fürst“, entgegnete Senaka und sprach in der Art, wie er sie gelernt, folgende Strophe:
Obwohl aber Senaka diese Strophe sprach, verstand er den Sinn nicht; der König aber verstand ihn, weil ihm die Sache bekannt war. Darum dachte er: „Senaka hat ihn jetzt verstanden; ich will nun den Pukkusa fragen“, und fragte den Pukkusa. Auch dieser sagte zu ihm: „Wie, bin ich allein unweise?“, und sprach in der Art, wie er sie gelernt, folgende Strophe:
Auch diesem war der Sinn nicht klar; weil dieser aber dem König offenkundig war, dachte er: „Auch dieser hat ihn erkannt“, und fragte den Kavinda. Dieser sprach folgende Strophe:
Der König dachte: „Auch dieser hat es verstanden“, und fragte den Devinda. Auch dieser sagte nur auf die Art, wie er es gelernt, folgende Strophe:
Darauf fragte der König den Weisen: „Mein Sohn, verstehst du auch diese Frage?“ Dieser antwortete: „O Großkönig, von der Avici-Hölle bis zum höchsten Himmel [28], wer wird da außer mir sonst noch die Frage verstehen?“ „So sage es also“, fuhr der König fort. „Höre nur zu“, erwiderte jener und sprach, um zu offenbaren, dass ihm die Begebenheit bekannt sei, folgendes Strophenpaar:
Da der König nicht merkte, dass es die anderen durch den Bodhisattva erfahren hatten, glaubte er, diese fünf hätten es durch die Kraft ihrer Weisheit allein erkannt, und voller Freude sprach er folgende Strophe:
Er sagte darauf zu ihnen: „Ein Befriedigter muss auch Befriedigung hervorrufen“, und um dies zu tun, sprach er folgende Strophe:
Nachdem er so gesprochen, ließ er ihnen alles geben.
Ende der Frage nach dem Bock im zwölften Buche [30]
Als aber die Fürstin Udumbara merkte, dass es die anderen nur durch die Vermittelung des Weisen verstanden hatten, dachte sie: „Der König hat wie einer, der Mugga-Bohnen und Masa-Bohnen [31] ohne Unterschied behandelt, allen fünfen die gleiche Ehrung erwiesen. Ziemt es sich nicht, meinem jüngeren Bruder eine besondere Ehre zu erweisen?“ Sie ging zum Könige hin fragte: „O Fürst, von wem wurde deine Frage gelöst?“ „Von den fünf Weisen.“ Sie fuhr fort: „O Fürst, durch wen aber verstanden jene vier Leute die Frage?“ „Das weiß ich nicht, Liebe“, antwortete der König. Jetzt sprach Udumbara: „O Großkönig, was verstehen diese? Der Weise aber dachte: ‘Diese Toren sollen nicht zugrunde gehen’ und ließ sie deshalb die Beantwortung der Frage lernen. Ihr erweist allen die gleiche Ehre; dies ist unziemlich. Nur für den Weisen muss man einen Unterschied machen.“
Da dachte der König: „Er hat nicht gesagt, dass sie es durch ihn selbst erkannt hatten.“ Hocherfreut über den Weisen wollte er ihm noch weit mehr Ehre erweisen und dachte daher: „Gut, ich will meinem Sohne eine Frage vorlegen und ihm, wenn er sie beantwortet hat, große Ehrung zuteil werden lassen.“ Während er nun über eine Frage nachsann, dachte er sich die Frage nach dem geringen Wert des Glanzes aus. — Als eines Tages die fünf Weisen gekommen waren um ihm ihre Aufwartung zu machen und vergnügt da saßen, sagte der König: „Senaka, ich möchte eine Frage stellen!“ „Frage nur, o Fürst“, versetzte dieser. Darauf sprach der König folgende erste Strophe von dem geringen Wert des Glanzes [32]:
Die Beantwortung dieser Frage entsprach aber der Familientradition bei Senaka; deshalb beantwortete er sie rasch folgendermaßen:
Als der König dessen Worte vernommen, sagte er, ohne die drei anderen zu fragen, zu dem da sitzenden weisen Mahosadha:
Darauf erwiderte ihm Mahosadha: „Höre, o Großkönig“, und erklärte es ihm folgendermaßen:
Nach diesen Worten schaute der König zu Senaka hin und sprach: „Sagt nicht Mahosadha, dass der Weisheitsvolle nur den Vorzug verdient?“ Senaka erwiderte: „O Großkönig, Mahosadha ist noch jung; noch heute riecht sein Mund nach Milch. Was versteht dieser?“ Und er sprach folgende Strophe:
Als dies der König hörte, sagte er: „Wie ist dies, mein Sohn, du weiser Mahosadha?“ Der Weise erwiderte: „O Fürst, was versteht Senaka? Wie eine Krähe da, wo Reisbrei verschüttet ist, oder wie ein Hund, der angefangen hat, Molken zu trinken, sieht er nur sich selbst und sieht nicht den großen Hammer, der ihm auf das Haupt fallen wird. Höre, o Großkönig!“ Und er sprach folgende Strophe:
Als dies der König hörte, fragte er: „Wie ist dies, Lehrer?“ Senaka antwortete: „O Fürst, was versteht dieser? Sehen wir zunächst von den Menschen ab; auch einen Baum, der im Walde wächst, ehren die Vögel, wenn er reich an Früchten ist.“ Und er sprach folgende Strophe:
Als dies der König hörte, sagte er: „Wie ist dies, mein Sohn?“ Der Weise antwortete: „Was versteht dieser Dickbauch? Höre, Fürst!“ Und er sprach folgende Strophe:
Als wiederum Senaka vom Könige gefragt wurde: „Wie, Senaka?“, sprach er folgende Strophe:
Abermals sagte der König: „Wie, du Weiser?“ Dieser versetzte: „Höre, o Großkönig!“, und sprach folgendes Strophenpaar:
Da dies der König hörte, sagte er: „Wie, Senaka?“ Dieser erwiderte: „Höre, Fürst“, und sprach folgende Strophe:
Als wiederum der König zu dem Weisen sagte: „Wie, mein Sohn?“, antwortete dieser: „Höre, Fürst, was versteht der unverständige Senaka?“, und sprach folgende Strophe:
Darauf sprach Senaka folgende Strophe:
Als wiederum der König zu dem Weisen sagte: „Wie, mein Sohn?“, antwortete dieser: „Was versteht Senaka? Er betrachtet nur diese Welt und nicht die andere.“ Und er sprach folgende Strophe:
Darauf sprach Senaka folgende Strophe:
Darauf versetzte der Weise: „Was versteht dieser?“; und indem er auf diese Tatsache Bezug nahm, sprach er, um dies zu beweisen, folgende Strophe:
Als wieder der König fragte: „Wie?“, sagte Senaka: „O Fürst, was versteht dieser junge Knabe? Höret zu!“ Und indem er dachte: „Ich will dem Weisen die Möglichkeit zur Widerrede nehmen“, sprach er folgende Strophe:
Als dies der König hörte, dachte er bei sich: „Eine willkommene Tatsache hat Senaka vorgebracht; wird wohl mein Sohn im Stande sein, dessen Wort zu widerlegen und etwas anderes beizubringen?“ Und er sagte: „Wie ist dies, du Weiser?“ Außer dem Bodhisattva aber war kein anderer im Stande, als Senaka diese Tatsache angeführt hatte, dies Wort zu widerlegen. Darum sagte das große Wesen, indem es durch die Macht seiner eigenen Einsicht dessen Rede widerlegte: „O Großkönig, was versteht dieser Tor? Er schaut nur auf sich selbst und kennt nicht den Vorzug der Weisheit. Höre, o Großkönig!“ Und er sprach folgende Strophe:
Wie wenn es vom Fuße des Sineru-Berges Goldsand heraufgeholt hätte oder wie wenn es an der Fläche des Himmels den Vollmond aufgehen ließe, so verkündete es diesen logischen Schluss. Als aber so das große Wesen die Macht seiner Weisheit gezeigt und geendet hatte, sprach der König zu Senaka: „Was kennst du noch, Senaka, um noch weiter reden zu können?“ Dieser aber war wie einer, der den in seinem Speicher verwahrten Schatz [38] herausgenommen und verbraucht hat; er fand keine Widerrede, sondern setzte sich ärgerlich und mürrisch nieder. Und wenn er auch etwas anderes noch beigebracht hätte, so hätte der Bodhisattva auch mit tausend Strophen das Jataka beschlossen [39]. Da er aber ohne Widerrede blieb, so sprach das große Wesen, wie wenn es eine tiefe Flut heranbrächte, um noch weiter die Wahrheit zu preisen, folgende Strophe:
Als dies der König hörte, war er befriedigt über des großen Wesens Beantwortung der Frage. Wie wenn er einen dichten Regen herabströmen ließe, ehrte er das große Wesen durch Schätze und sprach dabei folgende Strophe:
Ende der Frage nach der Geringwertigkeit des Glanzes im Zwanziger-Buche
Von da an war der Ruhm des Bodhisattva groß; dies alles aber beobachtete stets die Fürstin Udumbara. Als jener nun sechzehn Jahre alt geworden war, dachte sie: „Mein jüngster Bruder ist alt geworden; auch sein Ruhm ist groß geworden. Es ziemt sich für ihn, die Hochzeit herzurichten.“ Sie meldete dies dem Könige. Als dies der König hörte, wurde er von Freude erfüllt und sagte: „Gut, benachrichtige ihn davon!“ Sie benachrichtigte den Bodhisattva davon, und als er seine Zustimmung gegeben, sagte sie: „Darum, mein Lieber, wollen wir dir ein Mädchen zuführen.“ Da dachte das große Wesen: „Vielleicht könnte mir einmal die von ihnen Herbeigebrachte nicht gefallen; ich will jetzt selbst nach einer Frau suchen.“ Und der Weise sprach: „O Fürstin, sagt ein paar Tage lang dem Könige nichts; ich will mir selbst ein Mädchen heraussuchen und dann die meinem Herzen Gefallende Euch anzeigen.“ „Tue so, mein Lieber“, versetzte die Königin.
Nachdem er sich von der Königin verabschiedet, ging er in sein Haus und gab seinen Freunden einen Wink. In anderer Kleidung, mit dem Handwerkszeug eines Schneiders in der Hand, ging er ganz allein zum Nordtore hinaus und begab sich in die Nordvorstadt. Damals aber war dort die alte Großkaufmannsfamilie heruntergekommen; die Tochter dieser Familie jedoch, Amaradevi mit Namen, war sehr schön, mit allen Glückskennzeichen ausgestattet und tugendhaft. Diese hatte am Morgen Reisschleim gekocht und war damit fortgegangen, um sich an den Ort zu begeben, wo ihr Vater pflügte. Dabei kam sie auf diesen Weg.
Als das große Wesen sie herankommen sah, dachte es bei sich: „Es ist ein mit den Glückskennzeichen ausgestattetes Weib. Wenn sie unverheiratet ist, so muss sie meine Dienerin werden.“ Auch sie dachte, als sie den Bodhisattva sah: „Wenn ich in dem Hause eines solches Mannes wäre, so könnte ich meine Familie aufrichten.“ Darauf dachte das große Wesen: „Ich kann nicht erkennen, ob sie verheiratet oder unverheiratet ist. Ich werde sie durch das Spiel der Hand befragen.“ Und er machte ferne stehend nach ihr hin eine Faust. Sie merkte, dass er sie fragen wolle, ob sie einen Gatten habe, und breitete die Hand aus. Als jener es merkte, kam er nahe herbei und fragte sie: „Liebe, wie ist dein Name?“ Sie antwortete: „Herr, ich habe einen Namen, den es in der Vergangenheit, in der Zukunft und jetzt nicht gibt.“ Darauf erwiderte er: „Liebe, in der Welt gibt es keine Unsterblichkeit; du wirst Amara (die Unsterbliche) heißen.“ „So ist es, Herr“, versetzte sie.
Darauf fragte der Bodhisattva weiter: „Liebe, wem bringst du den Reisschleim?“ Sie erwiderte: „O Herr, der früheren Gottheit.“ Er versetzte: „Die frühere Gottheit sind die Eltern; deinem Vater wirst du ihn bringen, glaub ich.“ „So wird es sein, Herr.“ „Was tut dein Vater?“ „Er macht aus einem zwei“; eines zu zweien machen ist nämlich das Pflügen. „Er pflügt, Liebe.“ „So ist es, Herr.“ „An welchem Orte aber pflügt dein Vater?“ „Dort, wohin man einmal geht und nicht wieder.“ „Der Ort, wohin man einmal geht und von wo es keine Rückkehr gibt, ist das Leichenfeld; er pflügt in der Nähe des Leichenfeldes, Liebe.“ „So ist es, Herr.“ „Liebe, wird er [41] heute noch kommen?“ „Wenn er kommen wird, werde ich nicht kommen; wenn er nicht kommen wird, werde ich kommen.“ „Liebe, dein Vater pflügt, glaub ich, am Flussufer. Wenn das Wasser kommt, wirst du nicht hingehen; wenn es nicht kommt, wirst du hingehen.“ „So ist es, Herr“, versetzte sie. Nachdem sie so lange Rede und Gegenrede getauscht hatten, lud ihn Amaradevi mit folgenden Worten ein: „Willst du Reisschleim trinken, Herr?“ Er erwiderte: „Ja, ich will trinken.“ Darauf setzte sie den Reisschleimtopf nieder. Jetzt dachte das große Wesen: „Wenn sie, ohne die Schüssel zu waschen und ohne mir Wasser zum Händewaschen zu reichen, mir den Schleim geben wird, so werde ich sie auf der Stelle verlassen und fortgehen.“ Sie aber brachte in der Schüssel Wasser herbei und gab ihm Wasser zum Händewaschen. Die leere Schüssel behielt sie nicht in der Hand, sondern stellte sie auf die Erde, schüttelte den Topf und füllte sie mit Reisschleim. Darin waren aber die Reisklumpen wenig; deshalb sprach zu ihr das große Wesen: „Wie, Liebe, gar zu dick ist der Schleim!“ „Wir haben kein Wasser bekommen, Herr“, antwortete sie. „Die Reisfelder werden kein Wasser bekommen haben, glaub ich“, versetzte er. „So ist es, Herr“, erwiderte sie.
Sie hob den Reisschleim für ihren Vater auf und gab dem Bodhisattva. Nachdem er getrunken und sich den Mund gereinigt hatte, sagte er: „Liebe, wir wollen in euer Haus gehen, verkünde uns den Weg!“ Sie erwiderte: „Gut“, und um ihn zu verkünden, sprach sie folgende Strophe aus dem ersten Buch [42]:
Ende der Frage nach dem verborgenen Pfad
Er ging auf dem von ihr angegebenen Wege nach Hause. Als ihn die Mutter der Amaradevi sah, gab sie ihm einen Sitz und sagte: „Ich will Reisschleim bereiten, Herr.“ Doch er erwiderte: „Mutter, meine jüngere Schwester Amaradevi hat mir schon etwas Reisschleim gegeben.“ Da erkannte sie: „Er muss um meiner Tochter willen gekommen sein.“ Obwohl aber das große Wesen ihre Armut bemerkte, sagte es: „Mutter, ich bin ein Schneider; gibt es etwas zu nähen?“ Sie antwortete: „Ja, Herr, aber wir haben kein Geld.“ Doch jener versetzte: „Mutter, um die Bezahlung ist es mir nicht zu tun; bringt es herbei, ich werde es nähen.“ Da brachte sie alte Kleidungsstücke herbei und gab sie ihm; der Bodhisattva aber machte alles fertig, was sie herbeibrachte, denn der Klugen Arbeit gedeiht. Dann sagte er zu ihr: „Mutter, melde es den Nachbarn in der Straße!“ Sie verkündete es im ganzen Dorfe; der Bodhisattva aber erwarb sich mit seiner Schneiderarbeit an einem einzigen Tage tausend Kahapanas.
Nachdem ihm aber die Alte das Frühmahl gekocht und gegeben hatte, sagte sie am Abend: „Mein Sohn, wieviel soll ich kochen?“ Er antwortete: „Mutter, nach dem Bedürfnis von allen, soviele in diesem Hause speisen.“ Darauf kochte sie viel Reisbrei mit verschiedenen Saucen gewürzt. Am Abend kam Amaradevi aus dem Walde zurück, auf dem Kopfe ein Bündel Holz und Blätter im Bausch ihres Gewandes tragend. An der vorderen Tür warf sie das Holz auf den Boden und ging durch die Hintertür in das Haus hinein. Ihr Vater kam später am Abend auch. Jetzt verzehrte das große Wesen sein Mahl von verschiedenartigem, höchstem Wohlgeschmack. Die andere aber gab erst ihren Eltern zu essen, dann aß sie selbst; und nachdem sie ihren Eltern die Füße gewaschen, wusch sie auch dem Bodhisattva die Füße. — Dieser blieb, um sie zu beobachten, einige Tage dort. Eines Tages sprach er, um sie auf die Probe zu stellen: „Liebe Amaradevi, nimm ein halbes Nali [45] Reiskörner und mache mir davon Reisschleim, Kuchen und Reisbrei!“ Sie war damit einverstanden, enthülste die Reiskörner und bereitete aus den unteren Reiskörnern den Schleim, aus den mittleren Körnern den Brei und aus den kleinen den Kuchen. Nachdem sie dann noch die entsprechende Würze zurechtgemacht hatte, gab sie dem großen Wesen den gewürzten Reisschleim. Sobald ihm der Schleim nur in den Mund kam, durchdrang er die Geschmacksnerven und blieb darin. Er aber sagte nur, um sie auf die Probe zu stellen: „Liebe, wenn du nicht kochen kannst, warum verdirbst du dann meine Reiskörner?“ Er spie den Schleim mit Speichel vermischt aus, dass er auf den Boden fiel. Sie versetzte, ohne zornig zu sein: „Wenn der Reisschleim nicht gut geraten ist, so verzehre den Kuchen, Herr!“, und gab ihm den Kuchen. Er aber machte es wieder so. Nachdem es auch mit dem Reisbrei ebenso gegangen war, sagte er: „Wenn du nicht kochen kannst, warum hast du mein Eigentum verdorben?“ Und als wenn er zornig wäre, knetete er die drei Speisen zusammen, bestrich ihr damit vom Kopf angefangen den ganzen Körper und sagte zu ihr: „Setzt dich an die Türe!“ Sie erwiderte ohne zu zürnen „Gut, Herr“, und tat so. Als er so merkte, dass ihr Stolz vernichtet war, sagte er wieder: „Komm, Liebe!“ Sie aber kam auf sein erstes Wort hin herbei.
Bei seiner Ankunft aber hatte das große Wesen außer tausend Kahapanas auch ein feines Gewand in seinem Betelkorb mitgebracht und aufgehoben. Jetzt zog er das Gewand heraus, gab es ihr in die Hand und sagte: „Liebe, bade mit deinen Freundinnen; dann ziehe das Gewand an und komme wieder!“ Sie tat so. Der Weise aber gab das erworbene und das mitgebrachte Geld alles ihren Eltern, tröstete diese und zog mit ihrer Tochter in die Stadt. Um sie aber auf die Probe zu stellen, ließ er sie im Hause des Torwächters sich niedersetzen und sagte dies der Frau des Torwächters. Dann ging er in seinen Palast und sagte zu seinen Leuten: „In dem und dem Hause habe ich bei meiner Ankunft eine Frau zurückgelassen; geht mit tausend Kahapanas zu ihr hin und stellt sie auf die Probe!“ Mit diesen Worten gab er ihnen tausend Kahapanas und schickte sie fort. Sie taten so. Jene aber erwiderte: „Dies ist nicht den Schmutz von den Füßen meines Gatten wert“, und wollte das Geld nicht. Die Leute gingen hin und berichteten dies dem Weisen. Darauf schickte er sie abermals und zum dritten Male fort. Beim vierten Male sagte er ihnen: „So nehmt sie also an der Hand und zieht sie zu mir her!“ Und sie taten so.
Sie aber erkannte das große Wesen nicht, wie es in seiner großen Pracht dastand; sondern als sie es anschaute, lachte sie und weinte wieder. Er fragte nach dem Grund von beidem; da sprach sie folgendermaßen zu ihm: „Herr, als ich lachte, da betrachtete ich deine Glücksfülle und dachte: ‘Dies Glück ist nicht ohne Grund erlangt; weil du in einer früheren Existenz Gutes tatest, wirst du es erlangt haben. Ach, wie groß ist die Frucht der guten Werke!’ Deshalb lachte ich. Als ich aber weinte, dachte ich: ‘Weil er sich aber jetzt an dem wohlbehüteten und bewachten Eigentum eines andern verging, wird er in die Hölle kommen.’ Und ich musste aus Mitleid mit dir weinen.“
Als er sie so auf die Probe gestellt und ihre Reinheit erkannt hatte, schickte er die Leute wieder fort mit den Worten: „Geht, führt sie ebendorthin zurück!“ Er selbst zog wieder seine Schneiderkleidung an, ging dorthin und verbrachte mit ihr diese Nacht. Am nächsten Tage ging er in der Frühe in den Königspalast hinein und meldete es der Fürstin Udumbara. Diese erzählte es dem König; dann zierte sie Amaradevi mit allem Schmuck, ließ sie auf einem großen Wagen sich niedersetzen, brachte sie unter großer Ehrung in das Haus des großen Wesens und feierte dort ein Fest. Der König schickte dem Bodhisattva ein Geschenk im Werte von tausend Kahapanas; auch alle Stadtbewohner von den Torwächtern angefangen sandten Geschenke. Amaradevi aber teilte das vom König geschickte Geschenk in zwei Teile und schickte den einen Teil dem König zurück; auf dieselbe Weise sandte sie auch allen Stadtbewohnern ein Geschenk und gewann so die Stadt für sich. Von da an wohnte das große Wesen einträchtig mit ihr zusammen und belehrte den König in geistlichen und weltlichen Dingen. —
Eines Tages aber sprach Senaka zu den drei an deren Weisen, als sie zu ihm gekommen waren: „Ach, wir sind dem Hausbesitzersohn [46] Mahosadha allein nicht gewachsen; jetzt aber hat er sich noch eine Frau geholt, die noch geschickter ist. Könnten wir ihn vielleicht beim König verleumden?“ Die anderen erwiderten : „Meister, was verstehen wir? Du nur verstehst es.“ „Gut“, versetzte Senaka, „seid unbekümmert. Es gibt ein Mittel. Ich werde dem Könige sein Juwel aus dem Diadem stehlen und herbeibringen; Pukkusa, du bringe seinen goldenen Kranz; Kavinda, du bringe sein kostbares Gewand; Devinda, du hole seine goldenen Sandalen!“ Durch List brachten die vier diese Dinge herbei. Darauf sagte Senaka: „Wir wollen sie unkenntlich machen und sie so in das Haus des Hausbesitzersohnes schicken.“
Senaka selbst warf sogleich das Juwel in einen Topf voll Buttermilch und schickte ihn durch eine Sklavin fort, der er folgenden Auftrag gab: „Gib diesen Topf mit Buttermilch keinem anderen, der ihn nehmen will; wenn man ihn aber im Hause des Mahosadha nimmt, so gib ihn her samt dem Topf selbst!“ Sie ging nun nach der Haustür des Weisen hin und wandelte unablässig auf und ab, indem sie rief: „Nehmt Buttermilch!“ Amaradevi sah an der Türe stehend ihr Gebaren; sie dachte: „Diese geht nicht anderswohin; da muss ein Grund vorhanden sein.“ Durch eine Handbewegung ließ sie ihre Dienerinnen zurücktreten und rief selbst jene Sklavin herbei mit den Worten: „Komm, Liebe, wir wollen die Buttermilch nehmen.“ Als sie herangekommen war, rief sie ihren Mägden; und als diese nicht kamen, schickte sie die Sklavin fort, indem sie sagte: „Gehe und rufe meine Mägde!“ Dann streckte sie ihre Hand in den Topf und sah das Kleinod. Als jene zurückkam, fragte sie sie: „Liebe, wem gehörst du?“ Sie antwortete: „Ich bin eine Sklavin des weisen Senaka.“ Nachdem jene noch nach ihrem und ihrer Mutter Namen gefragt, sagte sie: „So gib also die Buttermilch her!“ Die Sklavin erwiderte: „Edle, wenn Ihr sie nehmt, was bedarf es da des Preises? Nehmt sie mitsamt dem Topf!“
Darauf schickte sie die Sklavin fort mit den Worten: „So gehe also!“; sie selbst aber schrieb auf ein Blatt: „Im Monat so und so, an dem und dem Tage hat der Meister Senaka durch die Hand der Sklavin so und so, der Tochter der Sklavin so und so, das Diademkleinod des Königs als Geschenk geschickt“, und hob dies auf.
Pukkusa schickte den goldenen Kranz, den er in einen Korb voll Jasmin gelegt hatte; Kavinda legte das kostbare Gewand in einen Korb mit Blättern und schickte es so. Devinda endlich band die goldenen Sandalen in ein Gerstenbündel und schickte es so. Jene aber nahm alle diese Geschenke an, schrieb auf ein Blatt Namen und Art, meldete es dem großen Wesen und hob sie auf.
Die vier Leute gingen darauf in den Königspalast und fragten: „Warum, o Fürst, schmückt Ihr Euch nicht mit dem Diademjuwel?“ Der König antwortete: „Ich will mich damit schmücken; bringt es her!“ Man fand aber das Juwel nicht; auch die anderen fanden es nicht. Da sagten die vier: „O Fürst, Eure Schmucksachen sind im Hause des Mahosadha; er benützt sie selbst. Dein Feind, o Großkönig, ist der Hausbesitzersohn.“ So verleumdeten sie ihn. Dessen Gönner aber gingen zu ihm hin und meldeten dies dem Weisen. Dieser dachte: „Ich will den König besuchen und es von ihm erfahren.“ Und er ging, um dem Könige seine Aufwartung zu machen. Der König aber dachte in seinem Zorn: „Ich weiß nicht, was er tun wird, wenn er hierher kommt“, und gestattete ihm nicht, ihn zu sehen. Als so der Weise merkte, dass der König zornig sei, kehrte er in sein Haus zurück. Der König erließ nun den Befehl, man solle jenen ergreifen. Als dies der Weise von seinen Gönnern hörte, dachte er: „Ich muss mich entfernen“; er gab der Amaradevi ein Zeichen und verließ in unkenntlich machender Kleidung die Stadt. Er begab sich nach der Südvorstadt und übte im Hause eines Töpfers das Töpferhandwerk aus.
In der Stadt aber entstand ein großer Lärm: „Der Weise ist entflohen.“ Als die vier, Senaka und die anderen, von seiner Flucht hörten, schickten sie, ohne dass sie voneinander etwas wussten, ein Geschenk an Amaradevi mit der Botschaft: „Sie soll sich nicht bekümmern; sind denn wir unweise?“ Diese nahm das von den vieren Gesandte an und erwiderte: „Zu der und der Zeit sollen sie kommen.“ Als sie dann kamen, ließ sie sie mit dem Rasiermesser scheren, in Unratgruben werfen und sie so großes Leid erdulden. Dann ließ sie sie in Mattenbündel legen, meldete dies dem König, nahm die vier mit, ließ auch die vier Kostbarkeiten nehmen und begab sich nach dem königlichen Palast. Nachdem sie hier dem König ihre Ehrfurcht bezeugt, sprach sie: „O Fürst, nicht der weise Mahosadha ist ein Dieb, sondern diese sind die Diebe. Von ihnen ist Senaka der Juwelendieb, Pukkusa hat den goldenen Kranz gestohlen, Devinda hat die goldenen Sandalen gestohlen. In dem und dem Monat, an dem und dem Tage haben sie dies durch die Sklavin so und so, die Tochter der Sklavin so und so, als Geschenk geschickt. Lest dieses Blatt! Empfangt Euer Eigentum und nehmt auch die Diebe an, o Fürst!“ Nachdem sie so die vier Leute in großes Ungemach gebracht, grüßte sie den König und kehrte in ihr Haus zurück. Weil aber der König wegen der Flucht des Bodhisattva an ihm zweifelte und auch keine anderen weisen Ratgeber hatte, sagte er ihnen nichts anderes, sondern er befahl nur: „Wascht euch und kehrt in eure Häuser zurück“, und schickte sie fort.
Als aber die in seinem Sonnenschirm wohnende Göttin den Ton der Wahrheitsverkündigung des Bodhisattva nicht mehr hörte, überlegte sie, was das sei. Als sie die Ursache erkannte, dachte sie: „Ich werde bewirken, dass der Weise zurückgeführt wird.“ Zur Nachtzeit trat sie in die Öffnung an der Hinterseite des Sonnenschirms und legte dem Könige die vier Fragen im vierten Buche in der „Frage der Gottheit“ vor, welche angehen mit den Worten: „Er schlägt mit Händen und mit Füßen [47].“ Da der König sie nicht verstand, sagte er: „Ich verstehe sie nicht, ich will andere Weise fragen.“ Nachdem er um einen Tag Aufschub gebeten, schickte er am nächsten Tage den Weisen den Auftrag: „Sie sollen doch kommen.“ Als sie antworteten: „Wir sind mit dem Rasiermesser geschoren; wenn wir die Straße hinabgehen, schämen wir uns“, schickte er ihnen vier Kopfbedeckungen und ließ ihnen sagen: „Diese sollen sie auf den Kopf tun und kommen.“ — Damals nämlich kamen diese Kopfbedeckungen auf. — Sie kamen also zum Könige und ließen sich auf dem hergerichteten Sitze nieder.
Darauf sprach der König zu ihnen: „Senaka, heute Nacht hat die in meinem Sonnenschirm wohnende Gottheit mir vier Fragen vorgelegt. Da ich sie nicht verstand, sagte ich: ‘Ich will die Weisen fragen.’ Verkünde mir die Beantwortung der Fragen!“ Und er sprach folgende erste Strophe:
Senaka stammelte nur: „Was schlägt er, wen schlägt er?“, und verstand weder das Ende noch den Anfang. Auch die anderen fanden keine Entgegnung. Der König machte sich Vorwürfe. Als ihn wiederum zur Nachtzeit die Gottheit fragte: „Hast du die Frage verstanden?“, antwortete er: „Ich habe die vier Weisen gefragt; auch diese verstanden sie nicht.“ Da sagte die Gottheit: „Was werden sie verstehen? Außer dem weisen Mahosadha ist nämlich keiner im Stande, dies zu erklären. Wenn du ihn nicht rufen und diese Frage erklären lässt, werde ich dir mit dieser glühenden Eisenspitze das Haupt zerschmettern.“ Nachdem sie so dem König Furcht eingeflößt, fuhr sie fort: „O Großkönig, wenn man Feuer braucht, darf man keinen Leuchtkäfer anblasen; oder wenn man Milch braucht, darf man kein Horn melken.“ Und sie begann die im fünften Buch stehende Frage nach dem Leuchtkäfer [48]:
Dann sprach die Gottheit weiter: „Leute deinesgleichen blasen nicht, weil sie glauben, es sei Feuer, einen Leuchtkäfer an. Du aber hast, obwohl du Feuer hattest, gewissermaßen einen Leuchtkäfer angeblasen, du hast gewissermaßen die Waage weggeworfen und wiegst mit der Hand, du hast getan wie einer, der Milch will und die Kuh am Horn melkt, indem du Senaka diese tiefe Frage vorlegtest. Was verstehen diese? Sie gleichen Leuchtkäfern; einem großen Feuerhaufen aber gleicht Mahosadha und leuchtet durch seine Weisheit. Lasse ihn rufen und frage ihn; denn wenn du diese Frage nicht verstehst, so ist es um dein Leben geschehen.“ Nachdem sie so dem Könige Furcht eingejagt, verschwand sie.
Ende der Frage von den Leuchtkäfern
Darauf ließ der König, von Todesfurcht erfüllt, am folgenden Tage seine Minister zu sich rufen und sagte zu ihnen: „Ihr Lieben, ihr vier stellt euch auf vier Wagen und fahrt zu den vier Stadttoren hinaus. Wo immer ihr meinen Sohn, den weisen Mahosadha, seht, dort erweist ihm Ehrung und bringt ihn hierher!“ Mit diesen Worten schickte er sie fort. Von ihnen fanden drei den Weisen nicht; derjenige aber, der zum Südtor hinausgefahren war, sah in der Südvorstadt das große Wesen, wie es Ton herbeiholte und seinem Meister das Rad drehte, wie es sich dann mit seinem von Ton beschmierten Körper auf eine Strohbank setzte und Gerstenbrei mit wenig Sauce eine Handvoll nach der andern verzehrte. — Warum aber übte der Weise dieses Handwerk aus? Er dachte: „Der König ist geängstigt, weil er meint, der weise Mahosadha wolle unzweifelhaft das Reich an sich reißen; wenn er aber hört, er lebe vom Töpferhandwerk, wird er seine Angst aufgeben.“ Darum tat er so. — Als er nun den Minister sah, merkte er, dass dieser zu ihm gekommen sei, und dachte: „Meine Ehrung wird wieder werden wie vorher; ich werde nur noch das von Amaradevi zubereitete Mahl von höchstem Wohlgeschmack verzehren.“ Er warf den Breiklumpen, den er gefasst hatte, fort, stand auf und reinigte sich den Mund.
In diesem Augenblick kam der Minister zu ihm hin; dieser war aber ein Anhänger des Senaka. Darum sagte er, um ihn zu verhöhnen: „Du weiser Meister, nur des Senaka Wort führt zum Heile; denn nachdem deine Ehrung aufgehört hatte, konnte dir dein so großes Wissen doch keine Zuflucht bieten. Jetzt sitzt du mit Ton beschmiert auf einer Strohbank und verzehrst solche Speise!“ Und er sprach folgende Strophe aus der Frage nach der Weisheit im zehnten Buche [Jataka 452]:
Doch das große Wesen erwiderte ihm: „Du blinder Tor, ich tue so, weil ich durch die Kraft meiner Weisheit wieder meine Ehrung so groß machen will wie zuvor.“ Und es sprach folgendes Strophenpaar:
Darauf sprach zu ihm der Minister: „Du Weiser, die im königlichen Sonnenschirm wohnende Gottheit legte dem König eine Frage vor. Der König fragte danach die vier Weisen, aber nicht ein einziger konnte die Frage erklären. Darum hat mich der König zu dir hingeschickt.“ Das große Wesen versetzte: „Trotzdem merkst du nicht die Macht der Weisheit? Unter solchen Umständen ist nicht die Machtfülle eine Stütze, sondern nur ein mit Weisheit Ausgerüsteter ist eine Stütze.“ So pries er die Macht der Weisheit.
Der Minister hatte aber vom Könige den Auftrag erhalten: „Sobald du den Weisen gesehen, lasse ihn baden, bekleide ihn und führe ihn hierher!“ Darum gab er die ihm mitgegebenen tausend Kahapanas und ein paar Gewänder dem großen Wesen in die Hand. Der Töpfer aber dachte: „Der weise Mahosadha ist von mir veranlasst worden, Knechtesdienste zu verrichten“, und bekam deshalb Furcht. Ihn tröstete das große Wesen, indem es sagte: „Habe keine Furcht, Meister, du bist uns eine große Hilfe gewesen“; und er gab ihm die tausend Kahapanas. Er selbst aber setzte sich mit seinem mit Ton beschmierten Körper auf den Wagen und fuhr in die Stadt.
Als der Minister dies dem Könige gemeldet hatte und von ihm gefragt wurde, wo er den Weisen gesehen habe, antwortete er: „O Fürst, in der Südvorstadt lebt er und betreibt das Töpferhandwerk. Als Ihr sagen ließet: ‘Ruft ihn herbei!’, kam er ohne zu zögern, den Körper noch mit Ton beschmiert.“ Da dachte der König: „Wenn er mein Feind wäre, würde er nach Art eines Herrschers einhergehen; dieser ist nicht mein Feind.“ Und er sprach: „Wenn mein Sohn in sein Haus gekommen ist, so badet und schmückt ihn und sagt ihm, er solle nur mit der von mir ihm bewilligten Pracht kommen!“ — Als dies der Weise hörte, tat er so und ging hin. Als ihm gesagt wurde, er solle eintreten, bezeigte er dem Könige seine Ehrfurcht und trat ihm zur Seite. Der König begann mit ihm ein liebenswürdiges Gespräch und sprach, um den Weisen zu prüfen, folgende Strophe:
Der Bodhisattva erwiderte:
Abermals wollte ihn der König versuchen; indem er einen Spruch der Kriegerkaste anführte, sprach er:
Darauf führte ihm das große Wesen das Gleichnis vom Baume an und sprach folgende Strophe:
Nach diesen Worten aber fügte er hinzu: „O Großkönig, wenn schon der, welcher an einem Baume, von dem er eine Wohltat genossen, einen Zweig abbricht, ein Freundesverräter ist, wie viel mehr erst ein Menschentöter? Wo Ihr meinem Vater so große Macht verliehet und mich mit großer Gunst hegtet, wie könnte ich mich an Euch versündigen und ein Freundesverräter werden?“ Nachdem der Weise ihm so auseinandergesetzt, dass er durchaus kein Freundesverräter sei, sagte er, um den Fehltritt des Königs zu rügen:
Jetzt sprach er weiter, um ihn zu ermahnen, folgendes Strophenpaar [52]: